
Ob an der Alster, am Kaiser-Friedrich-Ufer in Eimsbüttel oder im Stadtpark: Hamburgs Grünflächen und Parks gefallen nicht nur den Städtern, sondern auch den Graugänsen. Doch die werden dabei zur Plage. Mancherorts tummeln sich derzeit so viele von ihnen, dass die Wiese vor Gänsekot kaum mehr zu sehen ist. Es gebe eine "gefühlte Zunahme der Gänsepopulation", hieß es dazu aus dem Bezirksamt Hamburg-Nord, bei dem auch die Dienststelle Schwanenwesen und Wildtierrettung angegliedert ist.
Für viele Erholungssuchende ist das ein Ärgernis. Immer wieder werde die "eingeschränkte Nutzbarkeit zahlreicher Liegewiesen" beklagt, sagte eine Sprecherin der Behörde. Betroffen seien nicht nur Wiesen, sondern auch Gewässer, Sportanlagen und Stege. "Viele der Grundstücksanlieger der Alster und Kanäle haben sich durch private Maßnahmen vor den Gänsen geschützt", so die Sprecherin.
Hamburg wird zur Gänsehochburg
Aber warum sind in der Hansestadt derzeit so viele Graugänse unterwegs? Laut Marco Sommerfeld, Leiter der Vogelstation Wedeler Marsch des Naturschutzbundes Nabu Hamburg, liegt das an den "Mausergästen", die sich ab Mai zu den Brutpaaren gesellen, die sich bis Juni über das gesamte Stadtgebiet verteilen.
In der Mauser erneuern die Tiere ihr Gefieder: "Die sehen immer so ein bisschen aus, als hätten sie hinten so eine kleine Sprungschanze – so kann man die Gänse in der Mauser erkennen", sagt Sommerfeld. Weil sie in dieser rund vierwöchigen Phase nicht fliegen können, würden sie sich verstärkt in Gruppen bewegen und die Nähe zum Wasser suchen, um vor potenziellen Gefahren wegschwimmen zu können.
Zur Nahrungssuche seien die Tiere von April bis Juni in den Parks auf bestimmten Wiesen unterwegs. "Gänse lieben Gesellschaft. Und sie hinterlassen Kot. Da sie auf den Wiesen grasen, verbleibt der auch dort", so Sommerfeld. Weil Gänse reine Pflanzenfresser sind, würden die Ausscheidungen zwar recht schnell abgebaut, bei größeren Ansammlungen falle jedoch entsprechend mehr davon an. "Das wird von Menschen als unhygienisch wahrgenommen", sagt der Nabu-Vogelexperte.
Erhöhtes Risiko für Vogelseuchen
Daneben besteht auch ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie die Vogelgrippe: "Die große Zahl an Gänsen an einem Ort bereitet uns Sorgen, insbesondere wegen der in letzter Zeit vermehrt aufgetretenen Tierseuchen", sagte die Sprecherin des Bezirksamts. Die wachsende Gänsepopulation sei "ein schwer kalkulierbares Risiko für die Ausbreitung solcher Erreger", hieß es.
Auch deshalb werde Hundehaltern dringend dazu geraten, ihre Tiere anzuleinen. Für Menschen bestehe keine direkte Ansteckungsgefahr. Sollte der Bestand reduziert werden müssen, käme zunächst die Entnahme von Eiern infrage. Entsprechende Gespräche liefen bereits.
Dabei geht es nicht nur um sauberere oder weniger von Gänsen bevölkerte Wiesen. Der regulierende Eingriff ist auch wichtig für andere Wasservögel. Weil die Graugänse "sehr robust" seien, würden andere Arten wie die früher häufigen Stockenten, aber auch Haubentaucher, Reiherenten oder Teichhühner, verdrängt, so die Sprecherin. Zwar habe der Lebensraum Alster für jeden ein Plätzchen. Wichtig sei aber, "dass das Gleichgewicht zwischen den Arten erhalten bleibt, damit alle Tiere gute Lebensbedingungen vorfinden."
Warum es Vögel in die Städte zieht
Dass es Graugänse in urbane Lebensräume zieht, ist laut Nabu-Vogelexperte Sommerfeld kein Einzelfall. "Viele Vogelarten haben die Stadt als Lebensraum für sich erschlossen." Die Stadt biete Sicherheit und genug Nahrung. "Und Hamburg hat halt viel Wasser. Das bietet Rast- und Brutmöglichkeiten."
Nachdem die Graugans im 19. Jahrhundert in Europa fast ausgerottet war, haben sich die Bestände wieder erholt. Nach der Mauserzeit verlassen Sommerfeld zufolge viele Gänse die Stadt wieder. "Aber die beschriebenen Schäden bleiben natürlich auch danach bestehen", sagte die Bezirksamt-Sprecherin. Einen Teil des Problems können die Menschen in Parks und Wiesen übrigens selbst lösen: "Es würde schon viel helfen, wenn die Gänse nicht mehr von Privatpersonen gefüttert werden", betonte die Sprecherin des Bezirksamts.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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