
Hansi Flick setzte auf Deeskalation und hielt sich zurück. "Es ist vielleicht gut für euch, wenn ich darüber rede. Aber ich will es nicht", sagte der Trainer des FC Barcelona nach dem Aus in der Champions League.
Flicks Schweigsamkeit bezog sich auf eine Frage nach der Leistung des Schiedsrichters. Schließlich hatte Clément Turpin beim fürs Weiterkommen ungenügenden 2:1 bei Atlético Madrid ein Tor zurückgenommen und eine Rote Karte verteilt - jeweils zum Nachteil von Barça, jeweils nach Videobeweis. "Ich kann es nicht ändern. Ich muss es akzeptieren", sagte Flick. Weise Worte des 61-Jährigen, schließlich hatte der Franzose Turpin jeweils richtig entschieden.
Raphinha wird deutlich
Flicks Stürmer Raphinha konnte dagegen nicht an sich halten. Der Brasilianer fehlte wegen einer Oberschenkelverletzung sowohl beim 0:2 im Hinspiel als auch im zweiten Duell. Dafür lieferte der 29-Jährige nach der Partie einen bemerkenswerten Auftritt. "Es war ein gestohlenes Spiel, die Schiedsrichterleistung war sehr schlecht", sagte Raphinha. Sozusagen als Bonus provozierte der Angreifer auch noch die Atlético-Fans im Stadion.
Was Raphinha erzürnte, war die ruppige Gangart des Gegners. "Atlético beging – ich weiß nicht wie viele – Fouls und er zeigte ihnen keine Gelben Karten", meinte der Nationalspieler. Die Foul-Bilanz wies ein überlegenes 15:8 für Atlético auf. Nun war es allerdings nicht so, dass aufseiten Barças eine wahre Gelb-Flut eingesetzt hätte. Einmal zeigte Turpin eine Verwarnung - wohlgemerkt nachdem Gavi seinem Gegenspieler Matteo Ruggeri per Ellbogenschlag eine klaffende Platzwunde zugefügt hatte.
Keine Wahl bei Roter Karte
Beim Platzverweis gegen Eric Garcia in der 79. Minute hatte Turpin keine andere Wahl. Der Ex-Leipziger Alexander Sörloth war auf dem Weg zum Ausgleich, als ihm der Barça-Verteidiger in die Hacken trat. Dass sich Garcia wütend das Trikot vom Leib riss und auf die in die Katakomben führenden Treppen warf, war womöglich eher dem Frust über das nahe Aus geschuldet.
Und nun? Bleiben Barcelona zwei Dinge. Zum einen der Druck, unbedingt Meister werden zu müssen. Zum anderen das drohende sportjuristische Nachspiel gegen Raphinha. Denn der Angreifer verstieß mit seinen Äußerungen gegen Artikel elf der Disziplinarregeln der UEFA.
Der frühere Barcelona-Star Neymar kennt sich damit bestens aus. Der Landsmann von Raphinha war 2019 für drei Spiele gesperrt worden, nachdem er die Schiedsrichter-Leistung nach dem Spiel seines damaligen Arbeitgebers Paris Saint-Germain gegen Manchester United bei Instagram harsch kritisiert hatte. Später verkürzte der Internationale Sportgerichtshof Cas die Sperre auf zwei Spiele. Den Beginn der kommenden Champions League könnte Raphinha also ebenfalls verpassen.
Flick braucht die Meisterschaft
Aktuell dürfte das Flick kaum interessieren. Denn nach dem Aus in Champions League und Pokal muss der Heidelberger jetzt in der Meisterschaft liefern. "Das nächste Ziel ist der Gewinn der Liga, und wir sind auf dem besten Weg dahin. Wir müssen weitermachen und diese Mentalität behalten", befand der frühere Bundestrainer.
In der Liga hat Barça bei noch sieben ausstehenden Spielen neun Punkte Vorsprung vor Real Madrid. Im Pokal waren die Katalanen bereits an Atlético gescheitert, den Supercup hatte man Anfang Januar gegen Real gewonnen. Kritik gibt es seitens der Medien noch nicht - im Gegenteil. "Der Deutsche ist seiner fußballerischen Idee treu geblieben", analysierte "Sport". Die Zeitung "Mundo Deportivo" bezeichnete die Leistung der Spieler in großen Lettern als "heldenhaft".
In der vergangenen Saison hatte der 61-Jährige mit Barcelona das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Supercup gewonnen. Die Königsklasse hatten die Katalanen zuletzt 2015 geholt.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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