
Im Prozess gegen sechs mutmaßliche Mitglieder einer Bande von Drogen-Großhändlern hat der zweite Hauptangeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt. Nach eigener Aussage war der 29-Jährige in der Organisation für die IT-Sicherheit und die Finanzen zuständig. Mit ersten Cannabis-Verkäufen habe er schon in der Schule begonnen, sagte er vor dem Düsseldorfer Landgericht.
Am vergangenen Freitag hatte bereits ein als Bandenchef mitangeklagter 26-Jähriger alle ihm vorgeworfenen Taten eingeräumt. "Mein Mandant hat umfassend gestanden", bestätigte sein Verteidiger Marc Piel.
Den sechs angeklagten Männern im Alter zwischen 34 und 58 Jahren werden die Bildung einer kriminellen Vereinigung und bandenmäßiger Drogenhandel vorgeworfen.
Einnahmen in Millionenhöhe
Die beiden Hauptangeklagten sollen 2022 als Drahtzieher eine kriminelle Vereinigung gegründet haben. Mithilfe zahlreicher Mittäter sollen sie insgesamt eine Tonne Kokain, vier Tonnen Marihuana, rund 20 Liter Amphetamin-Öl sowie rund 5.000 Oxycodon-Tabletten und 1.000 Ecstasy-Tabletten verkauft haben. Die Einnahmen lagen den Ermittlern zufolge bei elf Millionen Euro.
Oxycodon ist ein synthetisches Opiat, das in den USA zeitweise als Medikament zugelassen war und als Auslöser der dortigen schweren Drogenkrise gilt.
Drahtzieher aus gutem Haus
Die beiden mutmaßlichen Köpfe der Bande sollen aus gutbürgerlichen Elternhäusern kommen und das Drogengeschäft nicht nur hochprofessionell abgewickelt, sondern auch wie ein mittelständisches Wirtschaftsunternehmen geführt haben.
So waren die Fahrer über Scheinfirmen angestellt und sozialversichert. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft hatte vor dem Prozess bestätigt, dass einige der Verdächtigen aus Familien mit gehobenem sozialen Standard kämen.
Der 29-Jährige hatte für die Firma auch eine spezielle Buchhaltungssoftware entwickelt, mit der sich alle Mengen, Lieferungen und Zahlungen erfassen ließen. "Auf dem sichergestellten Handy des Angeklagten waren alle Drogenschäfte des letzten Jahres genau aufgeführt", sagte Staatsanwalt Fabian Pollex.
Festnahmen im März 2025
Ende 2023 war die Bande zwischenzeitlich nahezu pleite, schilderte der 29-Jährige weiter. Als Gründe nannte er herbe Verluste. So seien die eigenen Geldfahrer mehrfach ausgeraubt worden und Drogengeschäfte schiefgelaufen.
Unter anderem waren die beiden Hauptangeklagten laut Anklage ins kolumbianische Medellín gereist, um sich dort von einem Anbieter die Kokainproduktion zeigen zu lassen. Drei Schiffslieferungen für insgesamt weit über eine Million Euro sollen die beiden Deutschen bestellt haben. Keine einzige Ladung erreichte ihr Ziel.
Auf die Drogenbande waren die Fahnder durch Hinweise aus anderen Ermittlungsverfahren gestoßen. Ende 2024 wurden dann die Ermittlungen gegen die Gruppe aufgenommen.
Monatelang wurden in Chats Übergabeorte und eine centgenaue Buchhaltung über Käufe und Verkäufe verfolgt. Ende März 2025 schlugen die Fahnder zu. Objekte in Deutschland, Spanien, Belgien, Polen und den Niederlanden wurden durchsucht und Verdächtige festgenommen.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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