
Regisseur Werner Herzog zeigt sich von dem Social-Media-Hype um den von ihm vor gut 20 Jahren gefilmten einsamem Pinguin fasziniert. Die Szene aus der Dokumentation "Begegnungen am Ende der Welt" von 2007 fange die "Faszination und Vorstellungskraft so vieler Menschen" ein, sagt Herzog in einem Video auf der Plattform Instagram. Das Phänomen hat inzwischen sogar das Weiße Haus und US-Präsident Donald Trump erreicht.
Die US-Regierung veröffentlichte auf der Plattform X ein KI-Bild von Trump an der Seite eines Pinguins, der eine US-Fahne trägt. Beide sind von hinten zu sehen und laufen durch eine Eiswüste Richtung Berge. In der Ferne ist eine Grönland-Flagge zu sehen. Was will Trump damit sagen?
In dem Ausschnitt aus der Herzog-Dokumentation, die in der Antarktis gedreht worden war, ist ein Pinguin zu sehen, der nicht mit seinen Artgenossen Richtung Wasser oder zurück zur Kolonie wandelt - sondern alleine in Richtung der weit entfernten Berge zieht. "But why?", aber warum, fragt Herzog eindringlich und untermalt von melancholisch-dramatischer Musik.
Der für seine Werke vielfach ausgezeichnete Herzog (83) sagt, er habe das Stilmittel der unheilvoll klingenden Stimme sehr bewusst eingesetzt. "Und es war interessant, was danach passierte: dass wir angefangen haben, mit dem Pinguin mitzufühlen", sagt Herzog in dem Instagram-Video.
Warum bewegt der Pinguin so viele Menschen?
Eine klare Antwort auf die Frage, warum der Ausschnitt seit Tagen so beliebt ist, gibt es nicht. Bewundert wird der Pinguin von den Nutzerinnen und Nutzern der sozialen Medien für seine Entschlossenheit und Einstellung, seinen Weg zu gehen, auch wenn der sichere Tod lauert. Die Stimmung der Kommentare ist teilweise auch voller Mitgefühl und Traurigkeit. Ein Kommentar lautet: "Wie könnte ich jemals aufgeben, wenn ich weiß, dass der Pinguin es nie getan hat?".
Eine ähnliche Interpretation scheint auch das Weiße Haus anzustreben. Betitelt ist das KI-Bild mit Trump mit "Embrace the penguin", was heißen kann: Sei wie der Pinguin, nimm diese Einstellung an, identifiziere dich mit ihr. Auch das US-Ministerium für Innere Sicherheit sowie ein Teil des US-Verteidigungsministeriums griffen das Pinguin-Sinnbild auf.
Der Bezug zum Grönlandkonflikt zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten ist allerdings schief. Richtung Grönland könnte Trump mit keinem heimischen Pinguin wandern - diese leben ausschließlich auf der Südhalbkugel. Die inzwischen leicht abgeschwächten, unrechtmäßigen Besitzansprüche Trumps auf Grönland hatten vor Wochen eine internationale Krise ausgelöst.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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