
Das Meer ist von Rom aus eigentlich nicht weit entfernt. Für eine kleine Sommerpause setzt die italienische Hauptstadt inzwischen trotzdem auf den Tiber. Mit mittlerweile acht sogenannten Flussuferparks entlang des Stroms will Rom seine lange vernachlässigten Ufer zurück ins Stadtleben holen.
Dafür gibt es Liegestühle, Kioske, Sportplätze, neues Grün und kleine Wasserflächen zur Abkühlung. Einen Sprung in den Tiber gibt es allerdings nicht: Die Wasserqualität erlaubt das Baden im Wasser weiterhin nicht.
Jüngster Neuzugang ist der dauerhaft angelegte Park "Tiberis" an der Ponte Marconi im Süden der Ewigen Stadt. Das Gelände war seit 2018 als sommerlicher Stadtstrand genutzt worden und wurde nun umfassend umgestaltet. Mehr als 100 neue Bäume, Spazierwege, Beachvolleyballfelder, ein Bocciaplatz, ein Kiosk und ein flaches Wasserbecken sollen aus dem ehemaligen Provisorium einen beliebten Treffpunkt im Sommer machen.
Tiber früher Lebensader der Ewigen Stadt
Für viele andere Metropolen wäre das kaum eine Sensation. München hat seine Isar, Paris die Seine, Zürich die Limmat, Wien die (Alte) Donau. In Rom dagegen galt der Tiber lange als die große verpasste Chance der Stadt.
Noch bis weit ins 20. Jahrhundert gingen Römer jeden Sommer im Fluss baden, Generationen lernten in der einstigen Lebensader Roms das Schwimmen. Später machten Verschmutzung, hohe Ufermauern und jahrzehntelanger Sanierungsstau den Tiber zu einem Ort, den viele eher schnell überquerten als aufsuchten.
Die neuen Parks sollen das ändern. Neben "Tiberis" wurden in den vergangenen Jahren weitere Uferbereiche aufgewertet. Aus verwilderten Flächen entstanden Orte mit Wegen, Sitzplätzen, Sportangeboten und Grün.
Wirklich lieber an den Fluss als ans Meer?
Ganz zur italienischen Sommeridylle reicht es aber noch nicht. Bei mehr als 35 Grad ist die Frage, wie viele Römer tatsächlich neben oder oberhalb und nicht am Flussufer liegen wollen, wenn das nahe Wasser selbst noch immer tabu ist. Die Parks bieten Schatten, Begegnung und ein Stück Strandgefühl - den alten Traum vom lebendigen Badefluss haben sie aber lange nicht erfüllt.
Für die Stadt sind die Flussuferparks dennoch ein wichtiger Schritt: Der Tiber soll wieder mehr sein als eine Kulisse hinter den Ufermauern. Der große Traum vom lebendigen Badefluss ist dabei noch nicht ganz aufgegeben. Bürgermeister Roberto Gualtieri hatte vergangenes Jahr angekündigt, dass man in wenigen Jahren wieder im Tiber schwimmen können soll - ein ambitioniertes Ziel.
Badespaß im Tiber-Wasser noch ein Traum
Ob daraus tatsächlich Realität wird, bleibt allerdings abzuwarten. Frühere Versuche, den Fluss aufzuwerten und wieder stärker ins Stadtleben zu holen, verliefen oft im Sand. Noch heute warnen Experten vor gesundheitlichen Risiken durch die Wasserqualität. Die neuen Flussuferparks sind deshalb zunächst ein vorsichtiger Anfang: Rom nähert sich seinem Fluss wieder an - ins Wasser springen können die Römer aber vorerst weiterhin nur in der Fantasie.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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