
Die Sängerstadt Finsterwalde (Kreis Elbe-Elster) feiert am Wochenende ein internationales Chorfestival. Es soll traditionell-volkstümlich, aber auch modern und poppig werden: 22 Chöre aus ganz Brandenburg sind dabei, darunter ein ukrainischer Frauenchor aus Cottbus. Außerdem hat sich ein lettischer Chor aus Salaspils, der Partnerstadt Finsterwaldes, angekündigt.
Finsterwalde hat eine weit über 100-jährige Geschichte als Ort des Gesangs. Doch warum eigentlich?
Was ist der Ursprung des Namens "Sängerstadt Finsterwalde"?
Zuerst war da ein Lied in einem humoristischen Theaterstück: "Wir sind die Sänger von Finsterwalde" wurde 1899 in den Germania-Prachtsälen in Berlin uraufgeführt. In der Burleske geht es um die drei Sänger Pampel, Knarrig und Strippe. Sie landen auf Durchreise in einem Hotel, treffen dort andere Hotelgäste und singen:
"Wir sind die Sänger von Finsterwalde,
wir leb'n und sterben für den Gesang.
Dass wir die Sänger sind,
das weiß ein jedes Kind,
wir leb'n und sterben für den Gesang."
Gemeint hat der Autor, Komponist und Theaterdirektor Wilhelm Wolff in dem Lied tatsächlich aber gar nicht den Ort Finsterwalde in Brandenburg. Sondern einfach nur den tiefen, finsteren Wald, erklärt Susanne Dobs vom Stadtmarketing Finsterwalde. "Er fragte sich: Worüber lachen wohl die Berliner?"
Wolff nahm den Namen "Finsterwalde" einfach als Synonym für Provinz. Die Stadt nutzte den Berliner Gassenhauer dann geschickt für sich.
Wie kam das Lied nach Finsterwalde?
Obwohl die Finsterwalder Bevölkerung erst einmal beleidigt auf die Darstellung im Theaterstück reagierte, gingen sie in die Offensive: "Sie machten sie aus der Not eine Tugend und aus dem Spottlied ihre Hymne", heißt es heute von der Stadt.
1901 wagte der Finsterwalder Lehrer Louis Schiller eine besondere Aktion: Er fuhr mit dem Männergesangsverein "Liedertafel" für eine Kahnfahrt in den Spreewald und rollte dabei ein Banner mit der Aufschrift "Wir sind die Sänger von Finsterwalde" aus. Dazu wurde das Lied gesungen. Im selben Jahr schon folgte die erste Erwähnung von Finsterwalde als "Sängerstadt".
Mit der Zeit verankerte sich das Lied immer mehr im städtischen Selbstbewusstsein als Stärke und kulturelle Identität, berichtet Sprecherin Dobs. Aus den damals drei Sängern des Liedes - Tenor, Bariton, Bass - entstand die heutige vierstimmige Formation - es gibt ein Sängerquartett mit 1. Tenor, 2. Tenor, 1. Bass und 2. Bass.
Mit schwarzem Gehrock, weißem Hemd, weißer Fliege, Zylinder und Chrysantheme am Revers seien die Finsterwalder Sänger seit etwa 1954 fester Bestandteil des städtischen Kulturlebens, heißt es von der Stadt. Der Refrain des Liedes bleibe immer derselbe, die Strophen veränderten sich immer mal wieder.
Wie steht es um die Sängerstadt Finsterwalde heute?
Das Lied ist in unterschiedlichen Varianten allzeit präsent in Finsterwalde. Es gibt ein Sänger-Quartett mit neun Mitgliedern, das zwischen 50 und 60 öffentliche Auftritten im Jahr hat. Außerdem wird alle zwei Jahre ein Sängerfest im Ort gefeiert - eines der größten Volksfeste Brandenburgs. Seit 2002 gibt es zudem einen internationalen Wettbewerb im Jazz-Pop-Gesang.
Und auch sonst ist gesanglich viel los in der Stadt: In der Kreismusikschule "Gebrüder Graun" lernt der Nachwuchs das Singen, es gibt drei Singklassen in der Region und nach der Wende gründete sich hier der Brandenburgische Chorverband.
Seit 2013 wird "Sängerstadt" als offizieller Beiname zum Finsterwalder Stadtnamen geführt. Und 125 Jahre nach der Uraufführung kam das Theaterstück im Jahr 2024 erneut auf die Bühne - ein Jahr später folgte ein Film im örtlichen Kino. Inzwischen gibt es sogar eine komplett neue Weihnachts-Edition des ursprünglichen Theaterstücks.
Und nicht zuletzt: Mittlerweile steht die Finsterwalder Sangestradition sogar auf der Unesco-Welterbe-Liste und ist Teil des immateriellen Kulturerbes.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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