
Die Reise durch China an der Seite seiner Mutter Carmen hätte für Lewis Hamilton kaum seliger enden können. Der Rekordweltmeister der Formel 1 verbrachte nach dem Auftaktrennen in Australien Zeit mit seiner Mama, um auf dem Weg nach Shanghai unter anderem das Naturschutzgebiet Jiuzhaigou im Südwesten des Landes und ein tibetisches Dorf zu besuchen. "Manches von dem, was ich gesehen habe, war so schön, dass es fast unbeschreiblich ist", erzählte Hamilton.
Das, was sich dann im zweiten Saisonrennen vor den Augen seiner Mutter abspielte, bekommt ebenfalls einen besonderen Platz im Poesiealbum des siebenmaligen Weltmeisters. Hamilton feierte so etwas wie eine Wiedergeburt, wenn man im spirituellen Kontext seiner kurzen Auszeit an der Seite seiner leiblichen Mama bleiben will.
Muttertag mit Mama Carmen
Nach einer deprimierenden Premierensaison im Ferrari, die ihn physisch und psychische auszehrte, feierte der Engländer beim Grand Prix von China sein 203. Karrierepodest. Es war sein erstes mit der Scuderia, die den einstigen Abonnementchampion 2025 verpflichtet hat, um endlich wieder an die Spitze der Motorsport-Königsklasse zurückzukehren.
"Ich habe diese Reise und diesen Traum begonnen, zu Ferrari zu wechseln und mit ihnen ganz oben auf dem Podium zu stehen. Es hat nun länger gedauert, als ich gehofft hatte", räumte Hamilton nach seinem dritten Platz am Sonntag ein. "Aber es ist ein ganz besonderer Tag, vor allem, weil heute Muttertag ist. Meine Mama ist hier, und es war eine tolle Woche."
Ist Hamilton zurück?
Der 15. März ist im Vereinigten Königreich Muttertag. Und für Mama Carmen war es natürlich auch etwas ganz Besonderes, ihren Sohn wieder erfolgreich zu sehen und ihn vor der Siegerehrung in die Arme zu schließen. Vielleicht erkannte sie in dem 41-Jährigen an diesem Tag aber noch etwas mehr. Denn so wie Hamilton im Nachgang des Mercedes-Doppelerfolgs von Premierensieger Kimi Antonelli und Teamkollege George Russell sprach, schien es, als wäre jemand aus einem tiefen Tal wieder emporgestiegen.
Nach 105 gewonnenen Königsklassenrennen war er im vergangenen Jahr erstmals ohne Podestplatz in einem Grand-Prix-Jahr geblieben. "Die Ground-Effect-Autos waren einfach nicht seine", meinte über die alte Wagengeneration sein langjähriger Renningenieur Peter Bonnington, der nun Antonelli auf dem Weg zur Weltmeisterschaft helfen will. "Er scheint nun wieder der alte Lewis zu sein." Ist Hamilton also zurück?
Hamilton genießt das neue Racing
In seiner ersten Ferrari-Saison hatte Hamilton mit seinem Wagen zu kämpfen. Dann lag er über Funk hörbar nicht auf einer Wellenlänge mit dem mittlerweile abgelösten Renningenieur Riccardo Adami. Schließlich sprach er völlig frustriert einmal sogar von der "schlechtesten Saison" seiner Karriere.
Die neue Autogeneration mit neuer Aerodynamik und Energiemanagement gefällt Hamilton nach anfänglicher Skepsis aber ziemlich gut. "Das ist das beste Racing, das ich je in der Formel 1 erlebt habe", meinte Hamilton sogar.
Rad an Rad mit Leclerc
Das könnte auch etwas übertrieben sein, aber im Überschwang der Gefühle lässt man sich vielleicht auch als siebenmaliger Weltmeister zu so einer Aussage hinreißen. Ein viermaliger Weltmeister wie Max Verstappen ist in seinem Red Bull dagegen von der neuen Formel 1 komplett genervt. Er liebt den Vollgasstil, nun fühlt er sich quasi als Batteriesklave bei "Mario Kart".
Die Notwendigkeit des Be- und Entladens der Batterie, die fast 50 Prozent der Motorleistung liefert, fördert Überholmanöver. Hamilton und sein Teamkollege Charles Leclerc lebten das in Shanghai hinter dem führenden Antonelli auch im direkten Zweikampf lange auf dem Asphalt aus.
Der Ferrari-Teamchef hatte "bisschen Angst"
"Es fühlte sich wie Go-Kart fahren an, es ging hin und her. Man konnte sein Auto wirklich gut positionieren, sodass manchmal nur ein Stück Papier zwischen uns gepasst hätte", beschrieb Hamilton das Duell.
"Manchmal hat man schon ein bisschen Angst", meinte dagegen Ferrari-Teamchef Fred Vasseur, "aber ich vertraue darauf, dass sie alles im Griff hatten und nichts passieren kann." Danach sah es zwischen Hamilton und Leclerc aber nicht die ganze Zeit aus. Als Beobachter durfte man fürchten, dass sich die beiden knallhart fahrenden Piloten gegenseitig von der Strecke nehmen. Das könnte auch im Saisonverlauf für Brisanz sorgen.
Großer Rückstand auf Mercedes
Antonellis Teamkollege Russell schob sich noch vor beide Ferrari. Und nicht zu vergessen: Im Ziel hatte Hamilton beträchtliche 25,2 Sekunden Rückstand auf die Spitze, Leclerc sogar 28,8 Sekunden. Das sind Welten im Motorsport.
Dennoch: Hamilton fühlt sich nach seinem ersten Ferrari-Podest nun auch einem ersten Grand-Prix-Sieg mit den Italienern nahe - jedenfalls deutlich näher als 2025. Und über WM-Titel Nummer acht, womit er Michael Schumacher als alleinigen Rekordhalter ablösen würde, kann er auch wieder sprechen. Es gebe natürlich Raum für Verbesserungen, sagte Hamilton. "Ich habe aber definitiv das Gefühl, wieder in Bestform zu sein, sowohl mental als auch körperlich."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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