
Die Wiedersehensfreude um Lea Schüller am DFB-Campus fiel dieses Mal besonders herzlich aus. Schließlich hatte die Torjägerin bei den Nations-League-Finals gegen Spanien gefehlt - und war dann in der Winterpause vom FC Bayern zu Manchester United gewechselt. Der Blick von Bundestrainer Christian Wück geht immer öfter nach England. Die starke und lukrative Women's Super League ist reizvoll wie riskant - gerade für deutsche Fußballerinnen.
Schüller steht in den WM-Qualifikationsspielen gegen Slowenien am 3. März (17.45 Uhr/ARD) in Dresden und am 7. März (18.00 Uhr/ZDF) in Stavanger gegen Norwegen besonders im Mittelpunkt. Der Stürmerin, die sich selbst als "Heimscheißerin" bezeichnet, ist der Abschied nach fünfeinhalb Jahren München extrem schwergefallen.
"München war eine Komfortzone"
Im Nationalteam stand Schüller trotz 54 Toren in 82 Länderspielen lange im Schatten von Alexandra Popp. Bei der EM im vergangenen Jahr setzte Wück ihr die Leipzigerin Giovanna Hoffmann, später dann Frankfurts Nicole Anyomi vor die Nase. Auch bei den Bayern saß die 28-Jährige immer öfter auf der Bank.
"Weil es für mich in Richtung Nationalmannschaft eher weiter abwärtsging als aufwärts, dachte ich einfach, dass ich was ändern muss", erklärte Schüller im Podcast ihrer früheren Mitspielerin Lena Magull ("Eine Lina für sich"). "München war eine Komfortzone für mich und da musste ich einfach raus." Jetzt sei sie "richtig happy, dass ich es gemacht habe."
Schüller wird "der Wechsel guttun"
In Manchester hat sich Schüller zwar noch keinen Stammplatz erkämpfen können, aber Wück prophezeit: "Ich glaube, sie wird sich körperlich, athletisch unheimlich weiter entwickeln. Wir wissen, dass in England ein sehr athletischer, ein sehr körperlicher Fußball gespielt wird - auch gegen den Ball. Und das war ja ein Hauptpunkt, den sie in der letzten Zeit abzuarbeiten hatte bei uns." Der DFB-Coach ist davon überzeugt, "dass der Wechsel ihr generell guttun wird."
Im Land der Europameisterinnen ist seit dieser Saison auch Sydney Lohmann beschäftigt. Doch die Ex-Münchnerin von Manchester City, jahrelang fester Bestandteil des Nationalteams, wurde dieses Mal nur auf Abruf nominiert: zu viele kleinere Verletzungen, zu wenig Einsatzzeiten.
Lohmann, Schüller und Knaak in Manchester
In Manchester wohnen Schüller und Lohmann im gleichen Appartement-Block - und können sich von Fenster zu Fenster zuwinken. Lohmann hat sogar eine DFB-Kollegin im Team von Tabellenführer City: Rebekka Knaak. Die Innenverteidigerin "ist die Einzige, die wirklich auf Spielminuten kommt", sagte Wück kürzlich über seine in England beschäftigten Auswahlspielerinnen.
Dass sich das in der WSL rasant ändern kann, zeigt das Beispiel Sjoeke Nüsken. Die 25-Jährige, 2023 von Eintracht Frankfurt zum FC Chelsea gewechselt, ist eine ganz zentrale Figur der DFB-Elf. Selbst die Mittelfeldspielerin hatte in der Hinrunde bei ihrem Club zu kämpfen, wurde schon als Neuzugang beim FC Bayern gehandelt - und ist jetzt in London plötzlich wieder gesetzt und erfolgreich.
Nüsken hat sich rausgekämpft
"Ich weiß, dass sie sehr unzufrieden war, dass sie nicht gespielt hat. Und ich weiß auch, dass sie sich da unbedingt rauskämpfen wollte. Das hat sie jetzt Gott sei Dank geschafft", sagte Wück.
Bei Bayern München, so erzählte es Schüller nach ihren ersten Wochen auf der Insel, seien die Bedingungen ja schon top gewesen. Aber bei Manchester: "Mehr Athletiktrainer, mehr Physios, eine Ernährungsberaterin, die wirklich jeden Tag da ist." Dazu "drei verschiedene Trainingsplätze nur für die Frauen".
Und der Fußball? Das Training sei "viel anstrengender. Ich mache hier momentan deutlich mehr. Und die Spiele sind hier häufiger schwer als es mit Bayern der Fall war. Das Pressing ist wirklich immer Vollgas."
Stürmerin Martinez empfiehlt sich bei West Ham
Neuerdings hat Schüller eine Konkurrentin in der deutschen Auswahl, die ebenfalls in der WSL spielt: Shekiera Martinez von West Ham United, einst bei Eintracht Frankfurt und beim SC Freiburg auf der Gehaltsliste. "Das ist eine, die ihre Leistung bringt, die auch Tore macht, deswegen ist sie dabei", sagte der Bundestrainer.
Das Wagnis England wieder abgebrochen haben derweil zwei Bundesliga-Spielerinnen, die Wück auch auf dem Zettel hat: Torhüterin Rafaela Borggräfe, wegen diskriminierenden Aussagen vom englischen Fußball-Verband FA für sechs Spiele gesperrt, verließ den FC Liverpool und spielt nun für Bayer Leverkusen. Das einstige Hoffenheimer Offensivtalent Mara Alber ließ sich nach einem halben Jahr bei Chelsea an Werder Bremen ausleihen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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