
Italiens Fußball kommt nach dem neuerlichen vorzeitigen WM-K.o. nicht aus dem Krisen-Modus. Sportlich ist der wieder nicht für die Endrunde qualifizierte Weltmeister von 2006 von den Top-Teams weit entfernt. Sämtliche Halbfinal-Partien der drei Europapokal-Wettbewerbe finden auch ohne italienische Clubs statt.
Doch damit nicht genug: Nach dem vermeintlichen Escort-Skandal droht nun schon der nächste Eklat. Im Zentrum steht der Schiedsrichter-Koordinator der Serie A und B. Gegen Gianluca Rocchi wird den wegen des Verdachts der Beteiligung an Sportbetrug ermittelt, er legte am Wochenende sein Amt nieder.
Am Donnerstag muss der ehemalige Schiedsrichter-Boss vor Gericht
Die Vorwürfe gegen den 52-Jährigen wiegen schwer: Rocchi soll Druck auf Schiedsrichter ausgeübt haben. Er soll Einfluss auf VAR-Entscheidungen genommen und in der vergangenen Saison Schiedsrichteransetzungen für Spiele in der Serie A beeinflusst haben. Die Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen, für Donnerstag ist Rocchi vor Gericht vorgeladen.
Rocchi bestreitet jede Beteiligung an illegalen Handlungen. "Diese Entscheidung soll einen korrekten Ablauf der gerichtlichen Phase ermöglichen, aus der ich, da bin ich sicher, unbeschadet und stärker als zuvor hervorgehen werde", erklärte Rocchi in einer Mitteilung zu seinem Rücktritt. Unterdessen suspendierte sich der VAR-Verantwortliche Andrea Gervasoni inzwischen selbst von seinem Amt, wie Italiens Schiedsrichterverband AIA mitteilte.
Konkret soll Rocchi nach Angaben der Sportzeitung "Gazzetta dello Sport", die sich auf Dokumente der Staatsanwaltschaft beruft, vergangenes Jahr die Schiedsrichteransetzungen von zwei Spielen von Inter Mailand beeinflusst haben - mit Referees, die angeblich den Nerazzurri wohlgesonnen sein sollen. Inter-Präsident Giuseppe Marotta wies die Berichte darüber, dass man durch Rocchi begünstigt worden sei, zurück.
Erinnerungen an "Skandal aller Skandale" vor 20 Jahren
Die Affäre um Rocchi - sollten sich die Vorwürfe bestätigen - erinnert zumindest ein wenig an den sogenannten Calciopoli-Skandal aus dem Jahr 2006. Dieser stürzte Italiens Fußball kurz vor der WM in Deutschland in eine schwere Krise. Damals wurden abgehörte Telefonate zwischen Club-Verantwortlichen und Schiedsrichtern veröffentlicht, die belegten, dass es Absprachen gab.
Die "Gazzetta" veröffentlichte nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Rocchi einen Artikel zu dem "Skandal aller Skandale" und schrieb von einer "Reise durch die Beziehungen zwischen Schiedsrichtern und Machtstrukturen im italienischen Fußball". Bisher ist jedoch nicht geklärt, ob die Vorwürfe gegen Rocchi tatsächlich zutreffen und welches Ausmaß sie gehabt haben könnten. Sportminister Andrea Abodi forderte jedenfalls Konsequenzen, sollte es wirklich zu Fehlverhalten vonseiten Rocchis und anderer Offizieller gekommen sein.
Vorwürfe zur Unzeit
Der Betrugsvorwurf gegen Rocchi kommt für Italiens Fußball zur Unzeit. Jüngst erst hatte die Aufdeckung eines mutmaßlichen Prostitutionsrings in der Mailänder Partyszene für Aufsehen gesorgt. Übereinstimmenden Medienberichten steht dabei auch eine lange Liste von Profifußballern im Fokus. Gegen die Spieler - darunter sollen auch bekannte Serie-A-Profis aus Italien und anderen Ländern sein - wird nach derzeitigem Stand aber nicht ermittelt.
Und das alles nicht mal einen Monat nach dem abermaligen Scheitern in einer WM-Qualifikation. Zum dritten Mal in Serie verpasste die Squadra Azzurra eine Weltmeisterschafts-Endrunde. Personelle Konsequenzen blieben nicht aus.
Nationaltrainer Gennaro Gattuso, der die darbende Mannschaft hatte retten sollen, musste wieder gehen. Für Verbandschef Gabriele Gravina kam ebenfalls das Aus, auch die ehemalige Torwart-Legende Gianluigi Buffon trat als Teamkoordinator zurück. Selbst hochrangige italienische Politiker hatten das blamable Scheitern im entscheidenden Spiel gegen Bosnien-Herzegowina öffentlich kommentiert.
Bitteres Fazit: "Wir haben uns an das Schlimmste gewöhnt."
Einst mal der Stolz der ganzen Nation, bricht der Fußball den Tifosi nur noch das Herz. In der Champions League ist keine Mannschaft der Serie A mehr dabei, in der Europa League auch. Selbst für die Runde der besten Vier in der Conference League hat es nicht mehr gereicht. "Das schreckliche Jahr des Fußballs", hieß es nun einem Beitrag der Zeitung "La Rebubblica": "Wir haben uns an das Schlimmste gewöhnt."
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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