
An der langen Mauer zum Strand: DDR. Am Eingang zum Stadion: DDR. An der Eisdiele: DDR. Die Abkürzung des einstigen anderen deutschen Staats ist in der Mittelmeergemeinde Ostia, dem Strandbad von Rom, an allen möglichen Orten zu finden. Drei Großbuchstaben, meistens schnell dahin gesprüht und oft schon ausgebleicht von der vielen Sonne.
Aber damit keine Missverständnisse aufkommen: Mit der DDR hat das überhaupt nichts zu tun. Die Deutsche Demokratische Republik, bestehend von 1949 bis 1990, hieß auf Italienisch Repubblica Democratica Tedesca. Abgekürzt: RDT. Ostia, mit seinen 90.000 Einwohnern immer noch ein Stadtteil von Rom, pflegte dorthin keine besonderen Beziehungen. Ostdeutsche Urlauber verschlägt es auch heute noch eher selten hierher.
Seltene Erfolgsgeschichte im heutigen italienischen Fußball
Die drei Buchstaben stehen für Ostias bekanntesten Sohn: Daniele De Rossi, 43 Jahre, Fußball-Weltmeister von 2006, sein halbes Leben unter Vertrag beim Hauptstadtverein AS Rom, heute Trainer des Erstliga-Konkurrenten CFC Genua. Und inzwischen auch Eigentümer seines Jugendclubs AS Ostiamare, der in der eben begonnenen Saison nach 35 Jahren Abwesenheit erstmals wieder im Profifußball spielt. Dafür sind sie ihrem "DDR" hier mehr als dankbar.
Die Rückkehr von Ostia ins bezahlte Geschäft ist eine der wenigen Erfolgsgeschichten, die Italiens Fußball derzeit zu bieten hat. Nach dem frühen Ausscheiden aller Vereine in den europäischen Wettbewerben, nach der schon wieder verpassten WM, nach der chaotischen Suche nach einem neuen Nationaltrainer hat Ostia landesweit die Sympathien auf seiner Seite. Keine Ostalgie also - aber Ostialgie sehr wohl.
"Ich habe nie aufgehört, die Stadt zu lieben"
Bei der AS Ostiamare Lido Calcio, gegründet 1945, passenderweise mit einer Möwe im Vereinswappen, hatte De Rossi seine Karriere mit 14 begonnen. Mit 17 wechselte er vom Meer 30 Kilometer weiter ins Landesinnere zu AS Rom, wo er zur Vereinslegende wurde. Dass er dort 2024 als Trainer nach nur acht Monaten scheiterte, haben sie ihm in der Hauptstadt verziehen. Fast zur gleichen Zeit steckte Ostiamare in großen finanziellen Schwierigkeiten und suchte verzweifelt nach einem Retter.
De Rossi sprang mit Geld aus seinem Privatvermögen ein. Wie viele Millionen er inzwischen in den Verein gesteckt hat, ist nicht bekannt. Sein Engagement begründet er damit, dass ihn die Stadt als Kind geprägt, als Jugendlichen begleitet und als Erwachsenen stets willkommen geheißen habe. "Ich mag Fußball. Ich mag Ostia. Ich mag Ostiamare. Ich habe nie aufgehört, die Stadt zu lieben und mir die Tabelle anzusehen." Und verspricht, 30 Jahre zu bleiben.
Investitionen auch als soziales Projekt
Als Ziel gesetzt hat sich "DDR", Ostiamare neben der Roma und deren ewigem Konkurrenten Lazio zur dritten Kraft in der Hauptstadt zu machen. Nach nicht einmal anderthalb Jahren gelang unter Trainer David D'Antoni der Aufstieg in die Serie C, die dritte Liga. Der Verein setzt auf junge Talente, die noch nicht so teuer sind. Zudem investierte De Rossi in eine Jugendakademie und drei neue Trainingsplätze. Die Sanierung des Stadions Anco Marzio soll 3,5 Millionen Euro kosten. Präsident ist inzwischen sein Vater Alberto De Rossi.
Der frühere Mittelfeldspieler - ein klassischer Sechser, aber meist mit der 16 auf dem Rücken - sieht sein Vorhaben aber nicht nur als Fußballprojekt. Nach dem Aufstieg verkündete er: "In einiger Zeit wird man über Ostia auch insgesamt wegen positiver Dinge sprechen. Das ist der Traum meiner Familie: die Stadt besser zu machen und hin und wieder zum Leuchten zu bringen."
Stadt mit großen Mafia-Problemen
Tatsächlich ist es um Ostias Ruf schlecht bestellt. Die Gemeinde ist seit Jahrzehnten Einflussgebiet von Mafiagruppen. Es geht um Dinge wie Drogenhandel, Erpressung von Schutzgeld und Korruption bei der Vergabe der lukrativen Konzessionen für Strandbäder. Immer noch ist Ostia als der Ort bekannt, in dem Pier Paolo Pasolini ermordet wurde, einer von Italiens bekanntesten Filmemachern, wahrscheinlich von einem jungen Stricher.
Jetzt hoffen sie darauf, dass der sportliche Erfolg von Ostiamare auch der Stadt ein besseres Image bringt. Einer der Anwohner, Ennio Camini, auch er ein Fußballfan, sagt: "Das wird sicherlich länger dauern als anderthalb Jahre. Aber wir Leute vom Meer sind bekannt dafür, dass wir durchhalten. So wie Daniele das in seiner gesamten Karriere auf dem Platz gezeigt hat."
Die ersten Ergebnisse nach der Rückkehr in den Profifußball zeigen schon, dass es nicht einfach wird. Das erste Heimspiel in der Serie C verlor Ostiamare am Wochenende gegen Grosseto mit 1:2 (1:1) - die zweite Niederlage, nachdem das lila-weiße Team bereits zum Saisonauftakt auswärts gegen Perugia mit 0:1 (0:0) verloren hatte. Der Andrang beim Heimspiel war riesig und trotz des Ergebnisses herrschte unter den Fans eine ausgelassene Stimmung.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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