
Ein letztes Winken, ein letzter sehnsüchtiger Blick nach oben - dann entschwand Didier Deschamps im Bauch des Stadions von Miami. Sein Adieu als französischer Nationaltrainer entsprach in diesem kleinen WM-Finale gegen England ironischerweise allem, wofür der Baske nicht steht: Viel Spektakel, noch mehr Chaos, und eine Niederlage.
Als letzten Tanz hatte Kylian Mbappé das Abschiedsspiel von Deschamps angekündigt, in dem der Stürmerstar vorläufig mit 22 Treffern zum besten WM-Torschützen der Geschichte aufstieg. Doch statt eines eleganten Walzers entwickelte sich wilder und ungebremster Rock'n'Roll mit einem Ergebnis auf der Anzeigtafel, das bestens nach Wimbledon passen würde: 4:6.
Feuerwerk und Schiffbruch
Die Reaktionen in der Heimat waren gemischt. Die "L'Équipe" nannte den historischen Abgesang, bei dem Frankreich schon zur Halbzeit mit 0:4 hinten lag, ein Feuerwerk: "Was als Hommage an Didier Deschamps nach 14 Jahren im Amt gedacht war, entwickelte sich zu einem der verrücktesten Spiele seiner Amtszeit." RMC urteilte, es sei ein "Schiffbruch wie die Titanic" gewesen.
185 Spiele, 14 Jahre. Es war für den französischen Fußball viel mehr als ein Abschied eines Trainers. Deschamps war so prägend, belebte Les Bleus nach den Schockwellen der peinlichen WM 2010 in einem Maße wieder, das zwischen Biarritz und Dünkirchen wohl kaum jemand für möglich gehalten hatte.
Tränen vergoss Deschamps nicht. Zumindest nicht nach dem Spiel, wo er sich allerdings zusammenreißen musste. "Ich möchte nicht vor euch weinen, aber ich könnte, weil ich so viele tolle Nachrichten bekommen habe", sagte der 57-Jährige bei der Pressekonferenz. "Es ist das Ende einer Reise."
Zeit für Zidane
Und was das für eine letzte Etappe war. Nicht nur aufgrund des letzten Spiels, bei dem Deschamps am liebsten acht statt nur vier Spieler in der Halbzeit ausgewechselt hätte. Die WM wurde auch vom Tod seiner Mutter überschattet. "Meine persönliche Situation, die ich niemandem wünsche, hat mich viel Energie gekostet", erklärte Deschamps.
Der "Auswähler der Mannschaft Frankreichs", wie der Nationaltrainer in Frankreich wörtlich übersetzt heißt, verabschiedete sich in den Urlaub mit seiner Familie. Sein Nachfolger ist offiziell bislang nicht verkündet worden. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass nun die Zeit von Zinédine Zidane gekommen ist.
Seit fünf Jahren ist der neben Michel Platini begabteste Spieler der französischen Fußball-Geschichte inzwischen ohne Job. Damals hatte Zidane bei Real Madrid aufgehört, die er zu drei Triumphen in der Champions League geführt hatte. Seitdem ist er im Wartestand, schlug lukrative Angebote aus - und hatte dabei offenbar stets die Nachfolge von Deschamps im Sinn.
Deschamps und die Schlüssel
Doch der Feingeist aus der rauen Hafenstadt Marseille hat nie öffentlich gegen seinen früheren Mitspieler geschossen. Stets äußerte er sich unterstützend. Aus dem Amt drängen wollte Zidane ihn nicht. Am 1. September, so schreibt nun die gut informierte "L'Équipe", soll der Weltmeister von 1998 seinen ersten Arbeitstag als Selectionneur haben. Einen Vertrag über vier Jahre soll der 54-Jährige erhalten.
Die Nachfolge hat auch mit Blick auf die Spielerkarriere eine ganz eigene Note. Hier der nimmermüde Deschamps, technisch nicht gesegnet, dafür mit einer herausragenden Spielintelligenz versehen. Er hat Zidane im defensiven Mittelfeld immer den Rücken freigehalten. Dort der Virtuose, dem alles so leicht zu scheinen fiel, nachdem ein eigener Trick benannt ist.
Nun muss Zidane beweisen, dass er auch in der Karriere nach der Karriere auf Augenhöhe mit Deschamps ist. Einen WM-Titel hat der scheidende Coach vorzuweisen und seiner Ansicht nach ist die Mannschaft bereit für mehr. "Alle Schlüssel sind da für das französische Team, um weitere Titel zu gewinnen und neue Höhen zu erreichen", sagte Deschamps. Worte, an denen sich Zidane wie auch an Deschamps' Erfolgen messen lassen muss.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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