
Beim Verlassen der WM-Arena von Seattle hatte Romelu Lukaku nichts mehr zu sagen - und das war auch nicht nötig. Denn auf dem Rasen, auf dem Lukakus Belgier die USA beim 4:1 nach dem WM-Skandal um Folarin Balogun vorführten, waren alle Bilder längst entstanden: Lukaku, der sich eine Hand ans Ohr hebt und FIFA-Boss Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump verspottet. Und Belgiens tanzende Elf, die an der Eckfahne mal eben den mächtigsten Mann der Welt imitiert.
Belgiens Verband machte sich nach den denkwürdigen Tagen um die auf Anruf Trump erlassene Balogun-Sperre einen Spaß daraus, den besonderen Triumph zu zelebrieren. "Macht das mal rückgängig", schrieben die Roten Teufel zu einem Foto, das Super-Joker Lukaku in der Pose des telefonierenden Funktionärs zeigte.
Und die seit einem Jahrzehnt stets als Geheimfavorit gehandelten Belgier stehen ganz plötzlich und relativ unerwartet im Viertelfinale, in dem an diesem Freitag (21.00 Uhr/MESZ) in Inglewood bei Los Angeles Europameister Spanien wartet. Und das mit den gealterten Routiniers Thibaut Courtois (34 Jahre), Kevin De Bruyne (35) und Lukaku (33), der bei dieser WM ganz plötzlich als Joker aufblüht und in den vergangenen drei Partien jeweils mit seinem ersten Schuss ins Tor traf.
Raskin: "Irgendwo gibt es immer Gerechtigkeit"
Lukaku ist dabei der Typ, hinter dem sie sich im Team alle versammeln können. Drum war es kein Zufall, dass der Torjäger vom SSC Neapel die großen politischen Sticheleien in Richtung Trump und Infantino vom Lumen Field in die Welt sendete. "Irgendwo im Leben gibt es immer Gerechtigkeit", kommentierte Nicolas Raskin nach dem beeindruckend-reifen Auftritt der Mannschaft von Rudi Garcia gegen die USA, die am gewaltigen Druck zu zerbrechen schienen.
Dass Lukaku bei dieser WM sportlich ein letztes Hurra feiern würde, war nicht mehr absehbar. Ganze 63 Minuten hatte der bullige Sturmriese für Neapel in der abgelaufenen Spielzeit auf dem Spielfeld verbracht. Doch Garcia ließ sich davon nicht beirren, berief Lukaku in den Kader und testete schon vor der WM aus, wie viel von dem einstigen Weltklasse-Stürmer sportlich noch zu erwarten ist.
Lukakus Jokerbilanz ist faszinierend
Und Lukaku lieferte. Mit seiner ersten WM-Aktion gegen Ägypten bedrängte der Strafraumstürmer Mohamed Hany so, dass diesem beim 1:1 ein Eigentor unterlief. Danach enttäuschte Lukaku als Startelfspieler beim mauen 0:0 gegen den Iran. Ehe Garcia die glorreiche Idee hatte, den Routinier zurück in eine ungewohnte Jokerrolle zu versetzen - seitdem erzielte Lukaku in jeder Partie ein Tor, jeweils mit dem ersten Schuss.
Doch der sportliche Wert ist längst nicht alles, was Lukaku dieser alternden Mannschaft vor dem großen Viertelfinale gegen die klar favorisierten Spieler gibt. Lukaku ist ein Brückenbauer in einem Team, in dem De Bruyne und Courtois seit über einem Jahrzehnt kaum miteinander sprechen. Zu einer großen Szene wurde das hitzige Wortgefecht zwischen Kapitän Youri Tielemans und Leandro Trossard beim 3:2 gegen Senegal im Sechzehntelfinale.
De Ketelaere wieder von Beginn an
Beim Stand von 0:2 schienen die beiden Führungsspieler derart angeregt zu diskutieren, dass selbst Handgreiflichkeiten nicht mehr utopisch schienen. Und Lukaku? Der ging dazwischen und schlichtete. "Wir hatten wirklich Eier - das braucht man in so einem Spiel", berichtete Lukaku über sein Team.
Dass das Comeback von Seattle überhaupt möglich wurde, hatte der Stürmer nicht nur als Vermittler erwirkt - sondern auch mit seinem Treffer zum 1:2 kurz vor dem Ende. Auch gegen Spanien dürfte der Franzose Garcia deshalb den jüngeren und fitteren Charles De Ketelaere (25) von Beginn an bringen. "König Charles", wie sie ihn Belgien nennen, traf beim 4:1 über die USA doppelt. Doch der bildstarke Schlusspunkt war Lukaku vorbehalten.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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