
Mit seiner jahrzehntelangen Titelerfahrung sprach Carlo Ancelotti das, was die brasilianische Seleção an diesem Nachmittag in Houston erst lernen musste, gelassen aus. "Man muss eben auch mal leiden können, richtig?", sagte der Nationaltrainer nach dem hart erarbeiteten 2:1 in der ersten K.-o.-Runde der Fußball-WM gegen Japan. "Das ist normal. Das gehört dazu. Leiden ist Teil des Spiels, genau wie die Erleichterung danach."
An der Erleichterung nach dem Schlusspfiff war ungefähr abzulesen, was für die Brasilianer auf dem Spiel gestanden hatte. Nur wenige Minuten nach dem Matchwinner-Tor von Gabriel Martinelli weit in der Nachspielzeit fielen sich die Brasilianer erschöpft in die Arme, die Tausenden Fans auf der Tribüne jubelten lauter, als sie es wohl nach einem nie gefährdeten 3:0 getan hätten. Das kann bei einer WM auch immer etwas auslösen.
"Brasilien hat sich wie eine große Mannschaft präsentiert", schrieb die begeisterungsfähige Tageszeitung "O Globo". Als solche war der Rekordweltmeister nicht unbedingt ins Turnier gegangen. Anders als bei Frankreich oder Spanien fehlt neben Vinícius Júnior ein weiterer unumstrittener Starspieler. Neymar, der mal einer war, wurde gegen Japan wieder nicht eingewechselt. Eventuell wäre es in der Verlängerung dazu gekommen, deutete Ancelotti an.
Ancelotti wechselt den Sieg ein
"Ich hatte Vertrauen in unsere Mannschaft", sagte Ancelotti. "Unsere Mannschaft hat gut gespielt, sie hat wirklich gut gespielt." Den Siegtorschützen Martinelli hatte der "Mister", der die Champions League als Trainer so oft gewonnen hat wie niemand anders, in der 66. Minute eingewechselt. Wenn ein Spieler ausgewechselt werde, ein anderer reinkomme, "und das Niveau hoch bleibt, ist das immer wichtig, um Titel zu gewinnen", sagte Abwehrspieler Casemiro, der in der 56. Minute den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt hatte.
Japan war in der ersten, aus brasilianischer Sicht deutlich schwächeren Halbzeit, nicht unverdient in Führung gegangen. Nach dem Tor vom Mainzer Bundesliga-Profi Kaishu Sano (29.) drohte Brasilien das erste Aus in der ersten K.-o.-Runde seit der WM 1990 in Italien. Bei den Zuschauerinnen und Zuschauern löste das Gegentor teils sichtbares Entsetzen aus - die Profis blieben nach eigenen Aussagen aber ruhig.
Casemiro benutzte während seiner Ausführungen in der sogenannten Mixed Zone vor etwa 100 Journalistinnen und Journalisten gleich mehrfach das Wort "tranquilidade", also Ruhe, Gelassenheit. "Ich denke, die Mannschaft verdient ein großes Lob, besonders für diesen mentalen Aspekt, diese Ruhe, diese Gelassenheit, die wir hatten, weil wir wussten, dass die Chance kommen würde", sagte der 34-Jährige, der mit Ancelotti einst bei Real Madrid Titel gesammelt hatte.
Der Gegner im Achtelfinale? "Kein einfaches Spiel"
Die Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte hing auch mit Vinícius Júnior zusammen, der auf seiner linken Seite plötzlich viel druckvoller spielte. Der Real-Profi drängte immer wieder an zwei, drei, vier Japanern vorbei in den Strafraum, kam einem Treffer aber nur bei einem Pfostenschuss nahe. "Wir können mit dem, was wir tun, niemals zufrieden sein", sagte Ancelotti. "Wir wollen auf dem höchsten Niveau spielen."
Der kommende Gegner im Achtelfinale, in der Verlosung nach Spielschluss waren Norwegen und die Elfenbeinküste, spielte bei den Brasilianern erst einmal keine große Rolle. "Wir haben einfach ein großartiges Spiel hinter uns gebracht", sagte Abwehrspieler Gabriel Magalhães. "Wir werden uns jetzt auf jeden Fall ausruhen und unter der Woche werden wir darüber nachdenken." Bei der WM gebe es "kein einfaches Spiel".
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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