
Der Schweizer Strafrechtsexperte Mark Pieth hat die Mitgliedsverbände insbesondere in Europa dazu aufgerufen, sich gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino zur Wehr zu setzen. Im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" nannte der frühere Vorsitzende der FIFA-Kommission für Governance Möglichkeiten, den vor allem in Europa kritisierten Infantino zu stürzen. "Die FIFA ist ein institutioneller Verein; jedes Vereinsmitglied kann wählen, absetzen oder sogar jemanden vor Gericht zitieren. Diese Möglichkeit hat jedes FIFA-Mitglied", sagte Pieth.
Dass es diesbezüglich keine Bestrebungen gäbe, erklärte der 73-Jährige mit dem System Infantino. Die Ethikkommission etwa würde nur formal existieren. "Unabhängigkeit gibt es nicht in der FIFA - und dementsprechend auch keine Kontrolle", sagte Pieth. "Im Grunde hat er das System Blatter perfektioniert: mehr noch als Blatter geht es Infantino um Macht und um Geld."
"System Blatter perfektioniert"
Niemand würde den 56 Jahre alten Schweizer angreifen, weil dieser als "unantastbar" gelten würde. "Er denkt, über ihm ist nur noch Gott. Und in seinem Verband ist das auch so", sagte Pieth, der zwischen 2011 und 2013 die unabhängige Kommission für Governance geleitet hatte, die die FIFA demokratisieren sollte. Joseph Blatter war von 1998 bis 2016 Präsident des Fußball-Weltverbandes.
Eine Schlüsselposition im Widerstand gegen Infantino, der sich während der laufenden WM in Nordamerika unter anderem den Vorwurf der Einflussnahme durch US-Präsident Donald Trump gefallen lassen musste, hat laut Pieth der europäische Kontinentalverband UEFA.
"Die UEFA könnte sagen: Wir machen das alleine, wir gehen raus aus der FIFA und organisieren eine riesige Fußball-EM. Klar, viele Länder würden fehlen, aber diese WM zeigt: Europa ist der mächtigste Kontinent im Fußball. Ohne Europa geht im Grunde nichts, diese Macht sollten die Verbände einsetzen", sagte Pieth, der allerdings auch wenig Hoffnung zu haben scheint: "Dabei könnte die UEFA die FIFA auch kartellrechtlich hart angehen. Aber offenbar gab es bislang nicht die Bestrebungen im europäischen Fußball, sich zusammenzutun und gegen Infantino etwas zu unternehmen."
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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