
Die jüngsten Erdbeben in Venezuela gehören nach Einschätzung eines Forschers zu den stärksten in der Region seit 100 Jahren. Torsten Dahm vom Potsdamer Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GFZ) erklärt, was bisher bekannt ist.
Warum hat die Erde dort gebebt?
Die Beben traten entlang einer Verwerfungszone auf, an der mehrere Erdplatten aneinander stoßen. In der Region seien es insbesondere die karibische Platte und die südamerikanische Platte, die sich gegeneinander bewegten, sagte der Leiter der GFZ-Sektion Erdbeben- und Vulkanphysik der Deutschen Presse-Agentur. Das führe immer wieder zu Erdbeben.
In Fachkreisen werde diskutiert, ob es in Venezuela nun zwei starke Erdbeben in kurzer Folge gegeben habe oder ob es ein einziger Bruch gewesen sei. Nach Einschätzung des Potsdamer Instituts gab es zwei Erdstöße im Abstand von etwa 30 Sekunden. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke mit 7,2 und 7,5 an. Das Potsdamer Institut rechnet mit 7,3 und 7,4.
Wie schwer waren die Beben?
Nach Einschätzung des Potsdamer Forschers waren es die vielleicht stärksten in der Region seit etwa 100 Jahren. Historisch seien auch gleichstarke oder stärkere Erdbeben dokumentiert, sagte Dahm. 1900 habe es bei Caracas ein Beben mit der Magnitude 7,7 gegeben und 1967 eines mit der Magnitude 6,5. Das vielleicht stärkste Beben, das historisch dort überliefert sei, war demnach 1812 mit einer geschätzten Magnitude von bis zu 8.
Welche Schäden werden erwartet?
Bei einem Erdbeben dieser Stärke sei mit großen Schäden zu rechnen, sagte Dahm. Das Ausmaß hänge auch von Bauweise und Bevölkerungsdichte ab. "Aber in dieser Region gehen zumindest erste Schätzungen davon aus, dass es erhebliche Schäden geben wird." Das Beben habe in geringer Tiefe stattgefunden, die Erschütterungen seien dann bedeutend stärker. Ersten Erkenntnissen zufolge kamen mindestens 32 Menschen ums Leben, rund 700 weitere wurden verletzt.
Bebt die Erde weiterhin?
"Typischerweise hat man relativ viele Nachbeben", sagte Dahm. Aus der Ferne sei in den ersten acht Stunden ein Nachbeben gemessen worden mit der Magnitude 4,6.
Auch bei Neapel und Kalifornien hat es gebebt - hängt das zusammen?
"Nein, davon kann man nicht ausgehen", sagte Dahm. Erdbeben würden typischerweise an Plattengrenzen auftreten, weil sich dort über längere Zeit Spannungen aufbauten. Kalifornien und Italien seien zu weit weg vom Ort des Bebens in Venezuela, als dass es einen Zusammenhang gäbe. Jeden Tag gebe es viele Erdbeben. Beben mit der Magnitude 4 bis 5 zum Beispiel gebe es etwa 13.000 im Jahr.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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