
Nach dem Angriff auf Vollzugsbeamte des Jugendgefängnisses Hahnöfersand hat die Staatsanwaltschaft Hamburg Ermittlungen wegen des Verdachts der Gefangenenmeuterei aufgenommen. Das Verfahren werde gegen einen 19-Jährigen und zwei 21-Jährige geführt, sagte der Sprecher der Justizbehörde, Dennis Sulzmann, der Deutschen Presse-Agentur. Bei dem Vorfall am Pfingstsamstag waren vier Bedienstete verletzt worden. Zwei von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt worden.
Wegen Gefangenenmeuterei wird laut Strafgesetzbuch in Fällen ermittelt, in denen sich Gefängnisinsassen "zusammenrotten und mit vereinten Kräften einen Anstaltsbeamten (...) tätlich angreifen".
Insassen nehmen Vollzugsbeamten Schlüssel und Messer ab
Nach den bisherigen Erkenntnissen aus dem Justizvollzug hätten die jungen Männer zunächst einen Bediensteten in einem Materialraum angegriffen, "ihm den Mehrzweckeinsatzgürtel einschließlich Anstaltsschlüssel, Handsprechfunkgerät, Handfesseln sowie Dienstmesser abgenommen und ihn dann gefesselt", sagte Sulzmann.
Mit dem Schlüssel habe sich dann einer der Gefangenen Zugang zu einer anderen Station verschafft und dort einen weiteren Bediensteten mit dem Dienstmesser attackiert. Der Beamte, der unverletzt geblieben sei, habe Alarm auslösen können. "Weitere Bedienstete kamen den bisherigen Erkenntnissen zufolge zur Unterstützung hinzu und konnten diese Konfliktsituation entschärfen."
Das Dienstmesser - das von den Vollzugsbeamten getragen werde, um im Falle eines Suizidversuchs eines Insassen Strangulationsmittel schnell durchtrennen zu können - sei gesichert und der Gefangene unter Verschluss genommen worden.
Häftlinge verletzten Vollzugsbedienstete mit Tischbeinen
Zwischenzeitlich hätten sich die beiden anderen Gefangenen mit abgebrochenen Tischbeinen bewaffnet und einen weiteren Bediensteten verletzt. Hinzukommende Kollegen hätten "auch dieses dynamische Geschehen deeskaliert", sagte der Sprecher. Die Gefangenen hätten sich schließlich mit den Händen auf den Rücken fesseln lassen.
Beim Eintreffen der Polizei sei die Lage unter Kontrolle gewesen. Der Behörde zufolge konnten alle entwendeten Gegenstände gesichert werden.
Motiv für Angriff weiter unklar - Behörde prüft Konsequenzen
Das Motiv, warum die Häftlinge auf die Bediensteten losgingen, sei noch unklar und Gegenstand der Ermittlungen, sagte Sulzmann. Schon kurz nach der Tat war ein Ausbruchsversuch als wenig wahrscheinlich bezeichnet worden. Zu Spekulationen wollte sich Sulzmann nicht äußern. Hamburger Medien hatten über einen möglichen Versuch, einen Mitgefangenen aus Rache zu "lynchen", berichtet.
Alle an dem Vorfall beteiligten Gefangenen waren kurz nach dem Vorfall in andere Hafteinrichtungen verlegt worden.
Vergleichbare Fälle - "in denen Gefangene gemeinschaftlich in dieser Form gewalttätig gegen Bedienstete vorgegangen sind" - habe es in Hahnöfersand in der Vergangenheit nicht gegeben, sagte Sulzmann. Er betonte, dass die für den Betrieb der Anstalt erforderliche Personalstärke am fraglichen Tag gewährleistet gewesen sei. Die Behörde prüfe mögliche Konsequenzen aus dem Vorfall.
Die Justizvollzugsanstalt liegt auf der gleichnamigen Elbinsel in der niedersächsischen Gemeinde Jork - steht aber unter Hamburger Leitung. Die JVA verfügt über insgesamt 176 Haftplätze und 20 Arrestplätze. Prominenter Insasse ist der mutmaßliche Pädokriminelle, der unter dem Pseudonym "White Tiger" Kinder im Internet zu sexuellen Handlungen und Selbstverletzungen bis hin zum Suizid getrieben haben soll.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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