
Kritik, Skepsis und sogar Anfeindungen: Die Einführung eines einheitlichen Verbandsmanagement-Systems für alle Spiel- und Altersklassen im Deutschen Handballbund hat an der Basis für großen Unmut gesorgt und teilweise sogar zur vorläufigen Abkehr von der digitalen Technik-Reform geführt. "Die Stimmung ist nicht gut", räumte der DHB in einem auf seiner Homepage veröffentlichten "Brief an Handball-Deutschland" ein und warb für Zusammenhalt und Unterstützung.
Der Riss geht quer durch Deutschland. Gleich 9 der 17 Landesverbände haben die auf dem DHB-Bundestag im November 2025 beschlossene Umstellung auf das neue System "Handball360" zum Start der Saison 2026/27 um maximal ein Jahr verschoben. Ein Rückschlag für das ehrgeizige Projekt, in das der DHB viel Mühe und Arbeit investiert hat.
Breite Front der Skeptiker
Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen/Bremen, Sachsen-Anhalt und Thüringen setzen bei der Erfassung aller für den Spielbetrieb relevanten Daten wie Spielplanung, Schiedsrichterwesen oder Passwesen vorerst weiter auf die alten Systeme - aus Angst vor einem verwaltungstechnischen Chaos.
"Zum jetzigen Zeitpunkt ist kein Teilbereich in einem der Module fertig programmiert oder läuft fehlerfrei. Die Datenmigration ist deutlich unvollständiger gelaufen als angekündigt und ursprünglich geplante und zugesagte notwendige Funktionen werden auf absehbare Zeit nicht programmiert werden können", listete der Hessische Handballverband (HVV) in einem Statement die Mängel von "Handball360" auf und stellte fest: "Die Arbeit für Haupt- und Ehrenamt ist unter diesen Bedingungen nicht mehr leist- und zumutbar!"
Auch der bayerische Landesverband sieht einen "möglichst sicheren, organisatorisch umsetzbaren und rechtssicheren Spielbetrieb" durch das neue System "noch nicht als gegeben an". Ähnliche Töne waren aus Brandenburg zu vernehmen. "Nach dem derzeitigen Entwicklungsstand wäre eine vollständige Umstellung unmittelbar vor Beginn des Spielbetriebs aus unserer Sicht mit Risiken verbunden, die wir gegenüber unseren Vereinen und Mitgliedern nicht verantworten möchten", hieß es.
Verband räumt Probleme ein
Den Vorbehalten hat der DHB wenig entgegenzusetzen. "In der Einführungsphase, so ehrlich müssen wir sein, gibt es statt Erleichterung eher Mehraufwand, Stress und Unsicherheit", räumte der Verband ein. Dennoch glaubt man in der Dortmunder Zentrale weiter an eine erfolgreiche Umsetzung - wenn auch deutlich später als geplant.
Immerhin haben die ersten praktischen Erfahrungen beim Saisonstart der Regionalliga Südwest vor gut einer Woche für leise Zuversicht gesorgt. Bei allen 36 Spielen in verschiedenen Altersklassen funktionierte das neue System. Dies sei "ein wichtiges Signal für Handball360 und für die gesamte Handball-Gemeinschaft", sagte Klaus Berding, DHB-Vorstand Finanzen und Recht.
Auch die beteiligten Landesverbände Rheinhessen-Pfalz, Rheinland und Saar atmeten auf. Ralph Müller, Schiedsrichterwart im Verband Rheinhessen-Pfalz und Schiedsrichter-Lehrwart der Regionalliga Südwest, sprach von "einer gewissen Aufbruchstimmung". Und Rheinland-Boss Markus Weiskopf bekräftigte: "Es hat sich gelohnt, dabeizubleiben und dem System zu vertrauen. Ein Zurück gibt es nicht mehr."
Befürworter werben für neues System
Unterstützt wird der Kurs auch im Westen und im hohen Norden. Gerade in einer schwierigen Projektphase seien "Verlässlichkeit, gemeinsame Verantwortung und ein klares Bekenntnis zur getroffenen Entscheidung erforderlich", hieß es vom Landesverband Schleswig-Holstein.
"Handball360 ist ein anspruchsvolles Projekt, aber es ist auch eine Chance. Wenn wir zusammenhalten, lösungsorientiert bleiben und uns gegenseitig unterstützen, können wir diesen Digitalisierungsschritt schaffen", sagte HVSH-Präsident Dierk Petersen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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