
Als erstes Krankenhaus bundesweit testet das Klinikum Dortmund Bodycams in den Notaufnahmen – und sieht nach vier Wochen bereits einen verbesserten Schutz der Mitarbeiter vor gewalttätigen Übergriffen und Beleidigungen. Bereits die bloße Ankündigung, die kleine Kamera am Kittel anzuschalten, habe bei der Beruhigung mehrerer sich hochkochenden Situationen geholfen, schilderte der Leiter der Zentralen Notaufnahme, Thorsten Stohmann.
"Wir haben die Erfahrung gemacht, dass allein das Tragen der Cams tatsächlich nicht nur auf das Gegenüber deeskalierend wirkt, sondern auch bei uns dazu führt, dass wir uns ein bisschen sicherer fühlen", ergänzte Christian Eggers, der die Notaufnahme am Klinikstandort Nord leitet.
Wie genau kommen die Kameras zum Einsatz?
Seit rund einem Monat können Mitarbeiter in den vier Notaufnahmen des großen Klinikums die kleinen Kameras am Kittel tragen – und einschalten, wenn sich im Empfangsbereich Konflikte mit Wartenden oder Patienten erkennbar zuspitzen. Während medizinischer Behandlungen oder in vertraulichen Gesprächen bleiben sie aus, zudem dürfe sie nur nach deutlicher Ankündigung aktiviert werden, betont die Klinik.
Beleidigungen seien in der Notaufnahme an der Tagesordnung, sagte der Arbeitsdirektor des Klinikums Michael Kötzing. Zwar benehme sich nur ein verschwindend geringer Teil der Patienten daneben, für diese Fälle brauche es aber ein wirksames Mittel der Prävention. Viele Krankenhäuser warteten nach seiner Einschätzung auf die Erkenntnisse aus dem Dortmunder Projekt.
Experten befürchten negative Effekte
Kriminologen, die sich mit der Wirkung von Bodycams befasst haben, fürchten aber auch Nebenwirkungen. Bei Untersuchungen habe sich gezeigt, dass Polizisten und Polizistinnen mit Bodycams sogar häufiger tätlich angegriffen worden seien als ihre Kollegen ohne Kamera, sagte Stefan Kersting von der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW. Die Kameras würden sich auch auf die Träger auswirken: Polizeikräfte seien nach dem Einschalten häufig in eine "formale Verwaltungssprache" verfallen, statt Ton und Ausdrucksweise an die Situation und den Adressaten anzupassen.
Laut den Kriminologen und Soziologen Simon Egbert und Jasper Janssen von der Universität Bielefeld ist die Studienlage zur Präventionswirkung der Bodycams uneindeutig. Sie befürchten, dass die Kameras die Kommunikation in der Notaufnahme eher belasten könne. "Die Kamera ist ja auch ein Symbol für grundsätzliches Misstrauen", sagt Egbert. Das Vertrauensverhältnis mit Patienten werde dann gestört oder lasse sich gar nicht erst aufbauen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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