
Nach dem Sensationsfund bislang unbekannter Bach-Werke Ende vergangenen Jahres sind in Leipzig weitere historische Quellen zur Kirchenmusikzeit Johann Sebastian Bachs aufgetaucht. Im Stadtarchiv wurden rund 60 bislang unbekannte Akten mit Handschriften aus dem Umfeld des Komponisten entdeckt, darunter Schriftstücke von Bach selbst sowie vom Schriftsteller Johann Christoph Gottsched und dem Komponisten Georg Philipp Telemann, wie die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig mitteilte.
Gefunden wurden die Akten bereits Anfang vergangenen Jahres von dem Musikwissenschaftler Bernd Koska im Rahmen des Forschungsprojekts "Forschungsportal Bach". Die Auswertung habe sich über einen längeren Zeitraum erstreckt, da es sich um umfangreiches und komplexes Material handele, erklärte Koska.
Neue Einblicke in Bachs Leipziger Kirchenmusik
Die Quellen enthalten Briefe und Bewerbungsschreiben Leipziger Studenten und dokumentieren erstmals, dass der Leipziger Rat studentische Sänger und Instrumentalisten gezielt finanziell unterstützte. "Die Leipziger Kirchenmusik beruhte nicht allein auf künstlerischer Exzellenz, sondern auf einer funktionierenden kommunalen Förderstruktur", sagte Koska.
Als besonders bedeutend gilt ein bislang unbekanntes Zeugnis Johann Sebastian Bachs aus dem Jahr 1740 für seinen bevorzugten Bassisten Gottlob Friedrich Türsch. Zudem fanden die Forscher das älteste erhaltene Bewerbungsschreiben des Komponisten Georg Philipp Telemann sowie ein Zeugnis Gottscheds für den Komponisten Johann Friedrich Doles.
Der Direktor des Bach-Archivs Leipzig, Peter Wollny, sprach von grundlegenden neuen Erkenntnissen: "Diese Dokumente verändern unser Bild von den institutionellen Voraussetzungen der Kirchenmusik unter Bach grundlegend: Was sich hier zeigt, ist Kulturförderung mit langfristiger Wirkung – ein Prinzip, das Leipzig seit Jahrhunderten prägt."
Sonderausstellung im Stadtarchiv
Die neu entdeckten Handschriften werden noch bis zum 23. April in einer Sonderausstellung im Stadtarchiv Leipzig gezeigt. Das 2023 gestartete "Forschungsportal Bach" erschließt erstmals digital sämtliche archivalischen Quellen zur gesamten Musikerfamilie Bach und macht sie öffentlich zugänglich.
Erst im November vergangenen Jahres hatte das Bach-Archiv Leipzig mit der Identifizierung zweier bislang unbekannter Orgelwerke als Frühwerke Johann Sebastian Bachs für internationale Aufmerksamkeit gesorgt.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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