
Neue Untersuchungen an einem bei Regensburg entdeckten Wollhaarmammut aus der letzten Eiszeit zeigen, dass die Menschen das Fleisch als Nahrung nutzten. Forschende fanden an mehreren Rippen des rund 27.000 bis 25.000 Jahre alten Tieres Schnittspuren, die von altsteinzeitlichen Jägern und Sammlern stammen dürften. Die Erkenntnisse des interdisziplinären Forschungsteams wurden in zwei Studien im Fachjournal "Journal of Archaeological Science" veröffentlicht.
Das Mammut war 2020 bei Bauarbeiten in Riekofen im Landkreis Regensburg beim Abriss eines Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert entdeckt worden. Neben einem fast 2,5 Meter langen Stoßzahn wurden nach und nach mehr als 70 Knochen und Knochenfragmente geborgen.
Rippe als Schneidbrett
Besonders aufschlussreich waren bei den weiteren Untersuchungen Einkerbungen auf mehreren Rippen. Diese erwiesen sich als Schnittspuren von Steinwerkzeugen. Die Forscher gehen davon aus, dass Menschen den Kadaver zerlegten und das Fleisch verwerteten. Eine Rippe sei sogar als eine Art Schneidebrett verwendet worden, heißt es in der Untersuchung.
Man habe in der Umgebung auch nach den Steinwerkzeugen gesucht - aber nichts gefunden, hieß es. Unklar blieb auch, ob das Mammut von Menschen erlegt wurde oder bereits tot war, als sie es verarbeiteten.
Die Forschenden sehen es aber als erwiesen an, dass die Einkerbungen nicht von Tieren stammten, die eventuell auch von dem Fleisch des Mammuts fraßen.
Jugendliches Mammut
Die paläontologische Begutachtung zeigte: Alle Knochen sowie der Stoßzahn gehören zu einem einzigen sehr großen, aber noch nicht ausgewachsenen Wollhaarmammut (Mammuthus primigenius) mit einer Schulterhöhe von etwa drei Metern. Das Tier starb vermutlich nahe der späteren Fundstelle und wurde anschließend in den Sedimenten eines eiszeitlichen Tümpels oder eines langsam fließenden Zulaufs der damaligen Ur-Donau eingebettet.
Der Fund sei eine kleine Sensation, erläuterten die Wissenschaftler. Zum einen seien Skelettfunde von Mammuten in diesen Breiten äußerst selten. Zum anderen lieferten die Untersuchungen zu dem Fund seltene Hinweise auf menschliche Aktivitäten in Bayern während des Höhepunkts der letzten Eiszeit. Es gebe aus dieser Hochphase der Kaltzeit nur wenige Nachweise menschlichen Lebens aus dieser Region. Jäger- und Sammlergemeinschaften hätten sich klimabedingt in Europa nach Süden und Osten zurückgezogen.
Karge Kost in der baumlosen Steppe
Pollenanalysen zeigen, dass das Mammut in einer baumlosen, tundraartigen Steppenlandschaft lebte. Die Vegetation war den kalten Temperaturen geschuldet, die im Durchschnitt weltweit rund sechs Grad unter den heutigen Durchschnittswerten lagen. Menschen schützen sich damals in Höhlen oder in Hütten, die sie teils aus Mammutknochen und Tierhäuten bauten. Denn Holz gab es in den kargen Steppen nicht.
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