
Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hält eine Koalition mit der AfD für falsch, kritisiert aber die Rhetorik rund um die sogenannte Brandmauer. "Sie beleidigt viele Wähler und schafft Märtyrerlegenden", sagte Döpfner im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Besser sei es, rote Linien und die eigenen Werte zu definieren. "Bei der Brandmauer ist die Frage, wie man sie interpretiert. Die Absage an eine AfD-Regierungsbeteiligung und an Koalitionen mit der AfD halte ich für richtig. Sie müsste allerdings gleichermaßen für die sozialistische Linke gelten."
Über den möglichen Ausgang der Wahl in Sachsen-Anhalt am 6. September will Döpfner nicht spekulieren. Die Stärke der politischen Ränder führt er aber auch auf die Schwäche des Zentrums zurück. Der einzige Weg, ein weiteres Abdriften zu verhindern, sei, "die Kompetenz, Glaubwürdigkeit und den Erfolg des politischen Zentrums zu stärken".
Zu viele Optionen auszuschließen, hält Döpfner dabei für einen Fehler. "Was ich aber immer schon für falsch gehalten habe, ist das Ausschließen einer Minderheitsregierung." Wenn man zu viel ausschließe, auch eine Regierung, die für einzelne Vorhaben Stimmen aller Parteien einsammele, habe man sich "in eine Sackgasse manövriert".
Kritik an der Medienbranche
Bei einem möglichen AfD-Verbotsverfahren müsse entscheidend sein, ob Verfassungsfeindlichkeit nach rechtsstaatlichen Prinzipien klar nachgewiesen werden könne. Sei das nicht ausreichend möglich, tauge ein Verbot nicht als Mittel. "Die ewige Drohung damit ist toxisch."
Döpfner übte auch Kritik an den Medien. Journalismus sei "zu berechenbar und zu volkserzieherisch geworden" und habe sich teilweise zu sehr von Lesern und Zuschauern entfernt. Gerade im Osten gebe es möglicherweise eine besondere Sensibilität, weil die Menschen lange Erfahrungen mit staatsnahen oder staatstreuen Medien gemacht hätten.
Das könne auch zu übertriebenen und pauschalen Entwicklungen führen, etwa zu Formulierungen wie "Lügenpresse" oder "Systemmedien". "Aber das Grundgespür, das dahintersteht, ist nicht so falsch." Statt das Publikum zu beschimpfen, plädierte Döpfner für eine selbstkritische Debatte der Medienbranche.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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