
Schlachtgesänge auf den Tribünen, Selbstversuche im Netz und ein Eismeister als Internet-Star. Auch bei den Spielen in Italien erlebt das Curling seinen inzwischen schon traditionellen Olympia-Hype. Raus aus der Nische, rauf auf die große Bühne - alle vier Jahre geht das so. Und die Deutschen sind in Cortina d'Ampezzo mittendrin. "Mega" sei die Atmosphäre in der rund 3.500 Zuschauer fassenden Arena in den Dolomiten, sagt Kapitän Marc Muskatewitz. Auch viele Fans mit schwarz-rot-goldenen Fahnen tragen dazu bei. "Das trägt uns extrem. Wir können das voll aufsaugen."
Stimmung wie im Fußball-Stadion
Die sozialen Medien sind wieder einmal voll von Videos, in denen etwa ein Kinderwagen sanft über die vereiste Straße geschubst oder im heimischen Wohnzimmer mit einem Besen vor dem Staubsaugerroboter gekehrt wird. Die Sport-Welt im Curling-Fieber - vor allem bei den Winterspielen selbst.
Die Stimmung in der Halle erinnert mitunter an die in einem Fußball-Stadion. Vor allem, aber längst nicht nur, wenn die Gastgeber im Einsatz sind. Da werden die Fans auf den Rängen von den Spielern auch schon mal animiert, sie lautstark zu unterstützen. Unpassend, findet mancher angesichts der hohen Konzentration, die dieser Sport, das Schach auf Eis, erfordert. Sensationell, sagen andere.
Kanadier und Schweden geraten aneinander
"Bitte hört auf, die Menge davon zu entmutigen, laut zu sein, lasst sie verrückt werden!", schrieb der Schweizer Yannick Schwaller bei Instagram, nachdem auf der Videowand zwischenzeitlich mal um Ruhe gebeten worden war. "Lieber haben wir es so und es rührt sich was", sagt auch Bundestrainer Uli Kapp.
Dass es inmitten der großen Eis-Party auch mal hitzig werden kann, zeigte der Zoff zwischen den Schweden und Kanadiern. Die Skandinavier warfen dem Nordamerikaner Marc Kennedy vor, den Stein verbotenerweise doppelt berührt zu haben. Ungewöhnlich derbe Worte fielen. Halb so wild, findet der deutsche Anführer Muskatewitz. Das Thema "Double-Touch" sei jetzt nicht gänzlich neu.
Zur Halbzeit der Vorrunde haben die Deutschen, die am Montag (14.05 Uhr) auf Titelverteidiger Schweden treffen und bereits ihr sechstes Spiel in Norditalien bestreiten, noch Chancen auf den Halbfinal-Einzug. Es wäre ein großer Erfolg bei der ersten Olympia-Teilnahme für die Männer seit zwölf Jahren.
Sportpsychologe hilft bei der Vorbereitung
Darauf, wie seine überwiegend junge Mannschaft all die äußeren Umstände bei diesem Großereignis angenommen und den Start ins Turnier bewältigt hat, ist Trainer Kapp ohnehin schon "mächtig stolz". Man habe sich auch mit Hilfe eines Sportpsychologen auf Olympia vorbereitet, verrät der Coach.
Denn: Die weiten Wege, das mediale Interesse und der Lärmpegel in der Arena - für die Curler, die laut Kapitän Muskatewitz unter dem Jahr mitunter auch mal nur vor 30 bis 50 Zuschauern spielen, ist das eine andere Welt als ihre übliche.
"Fast wie in der Disco" habe er sich nach dem knappen Sieg gegen Italien am vorigen Freitag gefühlt, sagt Muskatewitz. "Dieses Dröhnen. Man kennt es ja: Wenn man feiern war, nach Hause kommt und alles noch schallt." Zweieinhalb Stunden und reichlich frische Luft beim Spaziergang habe er gebraucht, ehe er weit nach Mitternacht dann doch mal ins Bett gefallen sei, so der 30-Jährige.
Deutsche nach Dramen teils "ausgelutscht"
Teilweise seien seine Spieler nach den Partien "mental platt" und regelrecht "ausgelutscht", sagt Trainer Kapp. Was mehr noch als an der Geräuschkulisse aber vor allem an der sportlichen Leistung liegt, die sie vollbringen müssen. Das Drama gegen Italien war nicht das Einzige, das in die Verlängerung, das sogenannte Extra-End, ging. Drei Stunden kann so ein Krimi schon mal dauern. Unermüdlich und mit maximaler Präzision schieben die Curler ihre Steine über die 46 Meter lange Eisbahn - dazu wird mit dem Besen gewischt und gewischt.
Dafür, dass das Eis und vor allem seine Oberfläche perfekt präpariert sind, sorgt in Cortina d'Ampezzo federführend Mark Callan. Auch der Schotte hat schon eine gewisse Bekanntheit erlangt: Wenn er Wasser verspritzt und mit kleinen Schritten rückwärts über die Bahn tippelt, erinnert das an den legendären Moonwalk des 2009 gestorbenen US-Popstars Michael Jackson. Der Eismeister als Publikumsliebling. Das passt zum olympischen Curling-Hype.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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