
Ein Schwarz-Weiß-Foto von Deutschlands erfolgreichster Nordischer Kombiniererin, erschöpft nach einem Rennen im Ziel liegend. Rund um das Bild hat Nathalie Armbruster Worte wie "verzweifelt", "schockiert", "leer", "wütend", "sprachlos" und "traurig" platziert. Mit ihrer Instagram-Story bringt die 20-Jährige ihre Gefühlswelt über das Olympia-Aus der "Königsdisziplin" des Nordischen Skisports zum Ausdruck.
Nach über einem Jahrhundert zieht das Internationale Olympische Komitee (IOC) einen Schlussstrich: Die Nordische Kombination fliegt für die Winterspiele 2030 aus dem Programm. Für die gesamte Szene ein existenzieller Tiefschlag. "Es war eine herbe Enttäuschung zu hören, dass wir als Sportart in Zukunft nicht mehr zur olympischen Geschichte gehören werden. Das tut enorm weh", gestand der dreimalige Olympiasieger und heutige Bundestrainer Eric Frenzel.
Das IOC begründet das Aus mit mangelndem Zuschauerinteresse – die Disziplin sei laut Studien von 2014 bis 2026 die unbeliebteste Wintersportart. Zudem konzentriere sich die Sportart auf sehr wenige Länder - nur fünf Nationen hatten in diesem Zeitraum Medaillen gewonnen. Damit endet eine 102-jährige Tradition: Die Sportart war seit 1924 fester Bestandteil der Winterspiele – allerdings als letzte Disziplin bis zuletzt komplett ohne Frauen.
Geplatzte Träume: Der vergebliche Kampf der Frauen
Die Enttäuschung sitzt tief, vor allem bei den Athletinnen, die jahrelang für ihre Premiere gekämpft hatten. "Niemanden sollte die Möglichkeit verwehrt werden, seine Träume zu leben - nur weil man eine Frau ist", hatte Deutschlands erste Gesamtweltcupsiegerin Armbruster vor den Winterspielen in Mailand auf Instagram geschrieben. Ihr Appell blieb ohne Erfolg. Statt der erhofften Premiere für die Frauen folgte nun das Olympia-K.-o. der gesamten Sportart.
"Für die Athletinnen ist es ein ganz schwerer Schlag, jetzt doch nicht aufgenommen zu werden - und für die Athleten rauszufliegen", schilderte Johannes Rydzek, Athletensprecher im Ski- und Snowboard-Weltverband Fis. "Uns hat es den Boden unter den Füßen weggezogen", ergänzte der im Frühjahr zurückgetreten Athlet. Die langfristigen Konsequenzen – insbesondere für den Nachwuchs – seien aktuell noch gar nicht absehbar.
Harte Schnitte?: Die Angst vor den Folgen
Während DSV-Sportdirektor Horst Hüttel von einer "niederschmetternden" Entscheidung sprach, meldeten sich auch Stimmen aus anderen Sportarten zu Wort. So schrieb Rodel-Olympiasieger Felix Loch bei Instagram: "Während Funktionäre über Programme abstimmen, verlieren Menschen ihre Perspektive. Es geht nicht nur um Medaillen. Es geht um Karrieren. Um Bundesstützpunkte. Um Trainerstellen. Um Nachwuchs. Um Existenzen."
Hinter den Kulissen des DSV stellt man sich bereits auf harte Zeiten ein. "Natürlich haben wir Konsequenzen zu erwarten, was die Infrastruktur und Förderung von Seiten des Bundes angeht", sagte DSV-Sportvorstand Andreas Schlütter. Dennoch wolle der Verband die Sportart nicht fallenlassen und auch künftig eine sportliche Perspektive bieten. Der nächste Meilenstein bleibe die WM 2027 im schwedischen Falun.
Hoffnung auf ein
"
Wunder
"
für Olympia 2034
Auch der Weltverband Fis will an Disziplin und Unterstützung festhalten und betonte, dass das Olympia-Aus keinen Einfluss auf Weltcup und Weltmeisterschaften habe. "Wenn überhaupt, ist das ein Grund, sie noch stärker zu unterstützen", sagte Fis-Generalsekretär Urs Lehmann. Zudem werde man "hart daran arbeiten, die Nordische Kombination 2034 zurück in die Olympischen Winterspiele zu bringen", sagte Fis-Präsident Alexander Ospelt.
Ein Comeback, das auch IOC-Präsidentin Kirsty Coventry nach der Entscheidung in Aussicht stellte. Doppel-Olympiasieger Rydzek zeigte sich kämpferisch: Auch wenn eine schnelle Rückkehr derzeit wie ein "mittelgroßes Wunder" erscheine, wolle man alle Möglichkeiten ausschöpfen. Bis dahin bleibt offen, wie die stark von Fördergeldern und Sponsoren abhängige Sportart ohne die weltweite Aufmerksamkeit der olympischen Bühne bestehen kann.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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