
Isabell Werth hat noch lange nicht genug. Auch wenn die Rekordreiterin gar nicht so ganz genau weiß, wie viele Medaillen sie bereits bei Weltmeisterschaften gewonnen hat. "Da müsste ich jetzt noch mal nachgucken, aber es werden irgendwie so neun oder zehn gewesen sein", sagt die 57 Jahre alte Dressur-Legende vor der Heim-WM in Aachen und grinst vergnügt.
Tatsächlich sind es sogar zwölf WM-Medaillen, neun davon aus Gold. Und zwei der goldenen Plaketten gewann Werth vor zwanzig Jahren in Aachen, wo sie in dieser Woche ihre einmalige Edelmetall-Sammlung noch einmal erweitern möchte.
Tod von Vater und Partner
Die Rekordreiterin ist ein Phänomen. Seit sie 1989, damals mit der jetzigen Bundestrainerin Monica Theodorescu im Team, bei der EM ihre erste Goldmedaille gewann, ist der Ehrgeiz nicht geringer geworden. Werth trotzt allen Widerständen. Sie kämpft sich nach Rückschlägen zurück und verarbeitet Schicksalsschläge.
Kurz vor dem Gewinn ihrer achten olympischen Goldmedaille bei den Spielen in Paris reiste sie zur Beerdigung ihres Vaters. Zuletzt starb ihr Partner Wolfgang Urban. Erst nach mehreren Wochen Pause ritt sie wieder bei Turnieren, begann mit der Vorbereitung auf die WM in Aachen, die für sie eine ganz besondere Bedeutung hat.
"Vorher und nachher nichts Vergleichbares"
Auch nach mehr als 30 Jahren Wettkampf auf allerhöchstem Niveau sagt Werth: "Es macht mir einfach Spaß, Wettkämpfe zu bestreiten. Es macht mir Spaß, zu performen. Es macht mir Spaß, gerade auch in Aachen." Bei all den Siegen ist die WM 2006 für sie herausragend. "Bis heute ist es die Veranstaltung, die mich am tiefsten berührt hat", sagt sie. "Vorher und nachher habe ich nichts Vergleichbares mit so vielen Zuschauern erlebt."
40.000 Zuschauer bei der Dressur, das gibt es tatsächlich nur in Aachen. Für die WM haben die Veranstalter wieder in die Mitte des größten Reitstadions der Welt ein Dressur-Viereck gebaut. Dort werden vor der riesigen Kulisse in drei Prüfungen die Medaillen vergeben. Eine WM in Aachen ist "in ihrer Emotionalität, in ihrer Größenordnung einzigartig".
"Wir wollen natürlich um Gold reiten"
Werth liebt diese Kulisse und den Wettkampf. Und sie liebt die Siege, auch wenn sie ihre eigene Erfolgsstatistik nicht im Detail im Kopf hat. Daher ist für sie klar: "Natürlich haben wir das sportliche Ziel, mit der Mannschaft den Titel zu holen." So wie zuletzt bei der EM im Vorjahr und bei Olympia 2024.
"Das wird schwer, gar keine Frage. Keiner von uns darf irgendwo einen Punkt liegen lassen", warnt die Rekordreiterin. Das deutsche Team ist nicht mehr so unangefochten wie in früheren Jahren. "Insbesondere die Briten in ihrer Kompaktheit sind, glaube ich, die stärkste Konkurrenz und werden uns das Leben sehr schwer machen", erklärt die erfolgreichste Reiterin der Welt.
Ähnlich sieht es die Bundestrainerin, die mehrere Team-Medaillen gemeinsam mit Werth gewonnen hat und "diese unglaubliche Wettkampffähigkeit von Isabell" bewundert. Vor den Grand-Prix-Ritten der Teamwertung am Dienstag und Mittwoch sagt auch Theodorescu: "Wir wollen natürlich um Gold reiten."
Weg vom Helden oder zum Idioten der Nation sehr kurz
Angst zu verlieren "habe ich nicht", sagt Werth: "Nein - dafür bin ich zu lange im Geschäft. Aber ich weiß, der Weg vom Helden zum Idioten der Nation kann sehr kurz sein. Und das haben wir ja auch schon erlebt." Etwa 2008, als ihr Satchmo bei den Olympischen Spielen auf dem Weg zum scheinbar sicheren Einzel-Gold plötzlich hochstieg und sich nur mit Mühe beruhigen ließ. "Aber natürlich habe ich das Glück gehabt, mehr die positiven Ergebnisse auf Championaten abzuliefern."
Wie lange reitet die Rekordreiterin noch weiter?
Wie lange sie noch abliefert? Ist Aachen ihre letzte WM? Olympia in Paris sei die Zäsur, hatte Werth vor ein paar Jahren auf die Frage nach dem Ende der Karriere geantwortet. Doch sie reitet immer noch und sammelt weiter Medaillen.
Werth will sich jetzt nicht festlegen, ob nun Olympia 2028 in Los Angeles der Schlusspunkt sein wird. Sie sei mit Wendy und Viva Gold "sehr wettkampffähig, und das macht die Sache eben auch noch mal einfacher, ein, zwei Jahre draufzulegen. Ich habe immer gesagt, es hängt von den Pferden ab, wie es weitergeht."
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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