
Das mangels nennenswerter Vermögen in Mecklenburg-Vorpommern lange Zeit vor sich hin dümpelnde Stiftungswesen erlebt einen Aufschwung. Während nach früheren Angaben des Schweriner Justizministeriums in den zehn Jahren vor 2022 nur 20 Stiftungen gegründet wurden, waren es allein 2025 laut Bundesverband Deutscher Stiftungen zwölf.
Wer stiftet wofür?
Auskunft darüber, wer etwas im Nordosten für welchen Zweck stiftet, gibt das im Internet einsehbare Stiftungsverzeichnis Mecklenburg-Vorpommern. Es wird im Justizministerium geführt - das Ressort von Ministerin Jacqueline Bernhardt (Linke) ist für die Stiftungsaufsicht zuständig.
Aus diesem Verzeichnis geht hervor, dass es sich bei acht der im vergangenen Jahr neu gegründeten Stiftungen in Mecklenburg-Vorpommern um Familienstiftungen handelt. Bei den Zielen ist oft dieser Satz zu lesen: "Zweck der Stiftung ist die Förderung der Stifter, der leiblichen und gesetzlichen Abkömmlinge der Stifter."
Das bedeutet, dass die Erträge der Stiftung nicht der Allgemeinheit zugutekommen, sondern den Familienmitgliedern. Ein weiterer Grund für die Gründung einer Familienstiftung ist oft, das (Unternehmens-)Vermögen zusammenzuhalten. Weil sie nicht gemeinnützig sind, sind Familienstiftungen nicht steuerbegünstigt.
Beispiel Friedemann-Kunz-Stiftung
Der Unternehmer Friedemann Kunz hat bereits zwei Familienstiftungen gegründet. Auf der Internetseite zur ersten Stiftung heißt es: "Friedemann Kunz, einer der bekanntesten Firmenlenker Mecklenburg-Vorpommerns (u. a. ScanHaus Marlow), möchte die Erfolgsgeschichte seiner Unternehmensgruppe durch folgende Generationen fortschreiben lassen und gründete im Juni 2016 die Friedemann Kunz Familienstiftung. In der Stiftung sind alle Firmen der Unternehmensgruppe (Jahresumsatz: 130 Millionen Euro) unter einem Dach vereint."
Der zweite Hauptgedanke der Stiftung ist demnach die Verwurzelung in der Region und die Verantwortung für die Familie und die Mitarbeiter. Es gehe um sichere Arbeitsplätze und stabile Steuereinnahmen, heißt es.
Die Stiftung von "Erdbeerkönig" Robert Dahl
Anders verhält es sich mit der im Februar 2026 anerkannten "KARLS für alle – Robert Dahl Stiftung". Dabei handelt es sich um eine gemeinnützige Stiftung mit dem Zweck der Förderung von Wissenschaft und Forschung, des Wohlfahrtswesens, der Hilfe für Behinderte sowie des bürgerschaftlichen Engagements zugunsten gemeinnütziger und mildtätiger Zwecke.
Beim sogenannten Neustiftertreffen, das Justizministerin Bernhardt jährlich ausrichtet, um den Stiftungsgedanken in Mecklenburg-Vorpommern zu verbreiten, will Dahl heute Abend in Schwerin über seine Stiftungsgründung berichten. Bernhardt organisiert das jährliche Treffen, um neuen Stiftungen eine Plattform zu geben, wie sie selbst sagt. Robert Dahl ist als Gründer von "Karls Erdbeerhof" bekanntgeworden. Das Neustiftertreffen steht dieses Jahr unter dem Motto "Soziales Engagement und Zusammenhalt".
Neustiftertreffen
Die Ministerin blickt mit Stolz auf den neuen Schwung im Stiftungswesen im Nordosten. "Das selbstgesteckte Ziel der Marke 200 Stiftungen in Mecklenburg-Vorpommern ist überschritten", erklärte sie. "Heute wirken in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 210 Stiftungen." Davon sind den Angaben zufolge 29 Familienstiftungen.
Bernhardt verweist auf neue Stiftungen, die nach außen wirkten und ein vielfältiges Spektrum hätten. Als Beispiele nannte sie die Stiftung Zukunftswerk, die Klaus-Rothe-Stiftung, die Owe-Gluth-Stiftung und die Robert-Dahl-Stiftung. "Stiftungszweck allein dieser vier genannten Neustiftungen sind zum Beispiel die Förderungen von Wissenschaft und Forschung, Bildung, bürgerschaftliches Engagement, Jugend- und Altenhilfe, dem Völkerverständigungsgedanke, Kunst und Kultur, aber von Sport sowie Tier-, Küsten- und Hochwasserschutz." Dieses ehrenamtliche Engagement zur Förderung der Gemeinschaft verdiene Respekt und Dank.
Noch immer gibt es im Nordosten deutlich weniger Stiftungen als im Bundesdurchschnitt. Während laut Bundesverband in MV 13 Stiftungen auf 100.000 Einwohner kommen, sind es bundesweit 32.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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