
Im Kampf um die Macht beim Ski-Weltverband Fis macht Präsident Johan Eliasch kein großes Geheimnis aus seinem taktischen Winkelzug. Der schwedisch-britische Funktionär tritt beim Fis-Kongress in Belgrad an diesem Donnerstag weder für Schweden noch für Großbritannien zur Wiederwahl an - sondern für Georgien, nachdem ihn seine Heimatverbände nicht nominiert hatten.
Eliasch über Georgien: "Ich war schon dort"
Auf die Frage, was ihn mit dem Staat im Südkaukasus verbindet, sagte Eliasch der Deutschen Presse-Agentur: "Ich war schon dort. Es ist ein Land, das mir sehr gut gefällt. Das Land liebt den Sport und hat großartige Berge zu bieten." Georgien ist für Eliasch ein "Statement für das, was wir erreichen müssen". Viele Stars der Ski-Szene sowie die großen Verbände folgen dem Präsidenten auf diesem Weg längst nicht mehr.
Das gilt auch für den Deutschen Skiverband (DSV), der sich offen gegen Eliasch stellt und dessen Wiederwahl in Belgrad verhindern will. Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach sagte: "Das größte Versäumnis ist sicherlich der enorme Vertrauensverlust innerhalb des internationalen Ski- und Snowboardsports."
Man habe "über Jahre hinweg immer wieder dieselben Gespräche geführt, immer wieder dieselben Zusagen gehört" und "kurze Zeit später trotzdem wieder am gleichen Ausgangspunkt" gestanden.
Kritik von Olympiasiegerin Shiffrin
Nach fünf Jahren mit Eliasch, der 2021 auf den inzwischen gestorbenen Gian Franco Kasper folgte, sei es Zeit, Bilanz zu ziehen. "Aus unserer Sicht reichen kosmetische Korrekturen längst nicht mehr aus. Wenn ein Riss immer größer wird und an die Substanz geht, dann hilft es nicht, immer wieder neue Spachtelmasse aufzutragen", sagte Schwarzbach.
Doch nicht nur mächtige Verbände arbeiten sich an dem 64 Jahre alten Boss der Fis ab, sondern auch Sportlerinnen und Sportler. "Viele von uns Athleten haben das Gefühl, dass die Fis und die derzeitige Führung einen erheblichen Mangel an Transparenz an den Tag gelegt haben", sagte US-Skistar Mikaela Shiffrin dem Schweizer "Blick". Andere große Namen äußerten sich ähnlich über Eliasch.
Britische Frau oder Mann aus Liechtenstein?
Doch wer könnte ihn beerben? Ironischerweise hat Victoria Gosling, die anstelle von Eliasch vom britischen Verband nominiert wurde, gute Chancen. Auch Alexander Ospelt aus Liechtenstein darf sich Hoffnungen machen.
"Es geht darum, die Fis wieder auf ein stabiles Fundament zu stellen. Die Frage ist heute nicht mehr, ob es Probleme gibt. Die Frage ist, ob wir den Mut haben, die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen", sagte Schwarzbach. Bereits im Mai hatte der DSV gemeinsam mit Österreich, der Schweiz, den USA, Norwegen und Kanada ein Schreiben verbreitet, in dem man für Kurskorrekturen und indirekt für die Abwahl des Präsidenten warb.
Eliasch selbst sieht naturgemäß viele Dinge anders. Der Amtsinhaber möchte sich mit Hilfe der kleineren Verbände als Präsident halten. "Nicht jeder ist glücklich. 10 von 80 Verbänden haben bereits gesagt, dass sie unbedingt einen Wechsel wollen. Sie wollen die Kontrolle übernehmen. Doch es gibt noch 70 weitere", sagte Eliasch, der unmittelbar vor der Wahl zu einer Medien- und Interview-Offensive ansetzte.
Während Verbände und Stars die Transparenz und das verlorene Vertrauen als Kritikpunkte anführen, nennt Eliasch als Ziele für die nächste Amtszeit neue Projekte.
Abwahl? "Dann bekomme ich mein Leben zurück"
"Ein Ziel sind Fis-Games, bei denen wir alle Weltmeisterschaften bündeln. Das wäre nicht weit weg von Olympischen Winterspielen. Das wäre eine riesige Gelegenheit", sagte der Präsident. Geplant wären diese alle vier Jahre, beispielsweise ab 2032. Zudem will er den Skisport unterhaltsamer machen und das TV-Erscheinungsbild im Sinne einer Zukunftsausrichtung verbessern.
Eliasch macht sich keine großen Sorgen vor dem Wahltag. Was passiert, wenn er als Fis-Präsident abgewählt wird? "Dann bekomme ich mein Leben zurück. Ich habe überhaupt nichts zu verlieren. Weil das Amt als Fis-Präsident ist ein 24/7-Job", sagte der Funktionär. In den Augen vieler Stars und Verbände soll diesen 24/7-Job künftig lieber jemand anders machen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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