
Im Missbrauchsskandal um Turnerinnen in Stuttgart und Mannheim liegt aus Sicht des Deutschen Turner-Bund (DTB) kein strafbares Fehlverhalten von Funktionären vor. Deshalb soll es auch keine personellen Konsequenzen geben, wie der DTB mitteilte.
Nachdem die Staatsanwaltschaft gegen insgesamt neun aktuelle und ehemalige Funktionäre Ermittlungen eingeleitet hat, habe die vom DTB beauftragte Kanzlei Redeker Sellner Dahs die Einleitungsverfügung geprüft.
Keine personellen Konsequenzen
Die Kanzlei sei zu dem Ergebnis gekommen, "dass sich eine Strafbarkeit der beschuldigten DTB-Funktionäre auf Grundlage der Einleitungsverfügung nicht nachvollziehen lasse. Die darin enthaltenen tatsächlichen Ausführungen und rechtlichen Erwägungen seien im Ergebnis nicht geeignet, die erhobenen strafrechtlichen Vorwürfe zu tragen", hieß es in einer Verbandsmitteilung. Auf dieser Grundlage sehe "das Präsidium keine Veranlassung für personelle Konsequenzen".
Der DTB nehme die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart weiterhin sehr ernst und werde diese unterstützen. Darüber hinaus behalte der DTB die weiteren Entwicklungen im Blick und "werde die Situation erforderlichenfalls ergänzend bewerten".
Leitende Funktionäre im Fokus
Laut Staatsanwaltschaft wurden jeweils Verfahren wegen des Verdachts der - zum Teil versuchten - vorsätzlichen Körperverletzung und der Nötigung in jeweils mehreren Fällen durch Unterlassen eingeleitet. Die Namen wurden nicht genannt. Der DTB hatte selbst mitgeteilt, dass Verbandspräsident Alfons Hölzl und Sportvorstand Thomas Gutekunst zu den Funktionären gehören, gegen die ermittelt werde.
Dazu kommen seit Januar noch Ermittlungsverfahren gegen zwei ehemalige leitende Personen im DTB. Beim Schwäbischen Turnerbund (STB) wird seit vergangenem Dezember gegen "ein aktuelles und ein ehemaliges Mitglied des Präsidiums sowie gegen zwei aktuelle und einen ehemaligen Mitarbeiter/-innen in leitender Funktion" ermittelt, wie der STB mitgeteilt hatte.
Gegen den DTB und gegen den STB wurden von der Staatsanwaltschaft darüber hinaus im Dezember Bußgeldverfahren eingeleitet. Weitere Details und Einzelheiten zum Ermittlungsstand nannte die Staatsanwaltschaft nicht.
Turnerinnen werfen vor: "körperlicher und mentaler Missbrauch"
Kurz vor Weihnachten 2024 hatten Turnerinnen öffentlich die Arbeit am Kunst-Turn-Forum in Stuttgart angeprangert. Kritisiert wurden unter anderem "systematischer körperlicher und mentaler Missbrauch" sowie katastrophale Umstände. Auch der Bundesstützpunkt Mannheim geriet in den Fokus.
Schon Anfang Februar 2025 waren die Vorwürfe ein Fall für die Justiz geworden und Ermittlungen aufgenommen worden. Zunächst richteten sich diese allerdings nur gegen Trainer. Als personelle Konsequenzen hatte der STB Trainer von ihren Aufgaben entbunden.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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