
Durch Rhein und Donau fließt so wenig Wasser wie selten, Pflanzen und Bäume lechzen nach Feuchtigkeit und auch wir Menschen brauchen an heißen Tagen wie diesen besonders viel Flüssigkeit. Wasser ist zum kostbaren Gut geworden, obwohl Deutschland eigentlich als wasserreich gilt. Trocknet das Land gerade aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wie trocken ist es – und wie ungewöhnlich ist das?
"Wir befinden uns gerade in einer extremen Dürre", betont Markus Weitere vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ). Aktuell sei der Süden Deutschlands sehr stark betroffen, auch das Ursprungsgebiet des Rheins in der Schweiz etwa. Das mache sich an den Pegeln von Rhein und Donau bemerkbar. "Das sind zwei Flüsse, die sehr, sehr stark betroffen sind. Da haben wir extremes Niedrigwasser, teils jetzt schon mit historischen Tiefstständen."
Im Dürre-Monitor, den das UFZ betreibt, kann man mit ansehen, wie sich insbesondere der Süden Deutschlands im Zeitverlauf (der vergangenen 14 Tage) immer tiefer rot färbt. Das steht in diesem Fall dafür, dass in den tiefen Bodenschichten immer weniger Wasser verfügbar ist.
Martin Helms von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) spricht von einer "außergewöhnlichen Situation mit extremen Wasserständen, zum Teil unter den bekannten niedrigsten Wasserständen". Dabei seien alle großen Flüsse – besonders Rhein, Donau, Elbe – gleichzeitig stark betroffen – und das schon zu einem frühen Zeitpunkt im Hochsommer. Die typische Niedrigwasser-Saison sei üblicherweise erst im Spätsommer oder Herbst. Laut Vorhersagen werde sich die Situation in den nächsten Wochen wohl nicht entspannen.
Wieso haben die Flüsse gerade so wenig Wasser?
Der Ökologe Weitere vom UFZ erklärt: "Es ist eine Gemengelage, die da zusammenkommt. Es ist sehr warm und wir haben relativ wenig Niederschlag. Das heißt, es kommt auf der einen Seite wenig Wasser rein und es verdunstet auf der anderen Seite viel durch die hohen Temperaturen." Dazu kommt: "Wir hatten ein außergewöhnlich trockenes Frühjahr. Und das hat eben auch dazu geführt, dass wir jetzt eine Situation haben, wo wenig Wasser in den Grundwasserspeichern ist."
Ein weiterer Aspekt sei die Schneeschmelze, die sich geändert habe. Das betreffe etwa den Bodensee. "Gewöhnlich hatten wir dort bis in den Sommer hinein Schmelzwasserabfluss, der zu einer guten Wasserversorgung des Bodensees und des Rheins beigetragen hat. Dieser Effekt hat stark abgenommen."
Im vergangenen Winter fiel dem Deutschen Wetterdienst zufolge – wie zuletzt häufig – weniger Schnee als im langjährigen Mittel, auch wenn es große regionale Unterschiede gab. Insgesamt war der Winter demnach zu trocken, sonnig und mild.
Wie kritisch ist die aktuelle Situation?
"Die Lage ist durchaus kritisch. Die Natur leidet stark, Kleingewässer und Randbereiche von Flüssen, also wichtige Auen-Ökosysteme trocknen aus. Kritisch ist es aber auch für die Wirtschaft. Am Rhein können Schiffe teils nicht mehr voll beladen fahren. Lieferketten werden gestört und am Ende macht sich das auch in der wirtschaftlichen Wertschöpfung bemerkbar", so Weitere vom UFZ.
Regionale Schauer und Gewitter schafften keine wirklich nachhaltige Abhilfe, sondern nur ein vorübergehendes Ansteigen der Wasserstände. "Insgesamt überwiegt die weiterhin sinkende Tendenz", heißt es vom BfG.
Was ist mit unserem Trinkwasser?
"Die Trinkwasserversorgung ist noch sicher in Deutschland", betont Weitere. Der überwiegende Teil komme aus dem Grundwasser. Zudem habe die Trinkwassergewinnung eine hohe Priorität gegenüber anderer Nutzung. "Dennoch gibt es lokal Engpässe, denen man durch Nutzungseinschränkungen entgegenwirkt." So verbot kürzlich etwa die Stadt München, private Pools zu befüllen oder den Rasen zu sprengen.
Grundwasser in tieferen Bodenschichten wird durch Niederschläge gespeist, wie das Umweltbundesamt erklärt. Langanhaltende Trockenheit führt also auch hier zu Veränderungen, allerdings finden diese langsamer statt. In den trockenen Jahren 2018, 2019, 2020 und 2022 seien die Grundwasserstände in oberflächennahen Grundwasserleitern durchaus deutlich gefallen, heißt es vom Umweltbundesamt weiter.
Umweltminister Carsten Schneider (SPD) sagte im Juli dem "Spiegel": "Künftig werden wir ernsthafte Konflikte um Wasser haben – auch in Deutschland." Die Bundesrepublik sei bisher ein wasserreiches Land gewesen. "Aber das ändert sich gerade."
Und wie steht es um die Qualität des Wassers?
Mit Blick auf unerwünschte Inhaltsstoffe in Gewässern erklärt Helms von der Bundesanstalt für Gewässerkunde: "Die Konzentrationen können sich bei Niedrigwasser erhöhen, was auch problematisch werden kann. Ein weiteres Problem sind die Temperaturen. Wenn sie über 25 Grad steigen, wird es auch mit dem Sauerstoff problematisch." An der Mosel habe bereits die Entwicklung von gesundheitsschädlichen Blaualgen eingesetzt. Auch der Lebensraum für Organismen im Wasser schränke sich ein.
Müssen wir jetzt jeden Sommer mit Dürre rechnen?
"Wenn wir uns die Trends und Prognosen anschauen, dann müssen wir davon ausgehen, dass vieles von dem, was wir gerade sehen, zu einer neuen Normalität gehören wird. Das wird nicht genauso aussehen wie jetzt, aber es ist davon auszugehen, dass die Intensität und die Dauer von sommerlichen Hitzephasen zunehmen wird", so Weitere. Kritisch werde es, wenn mehrere Ereignisse zusammenkommen – also etwa ein trockenes Frühjahr mit einem heißen Sommer. "Das ist durchaus etwas, was wir zunehmend erleben und an das wir uns anpassen müssen."
Häufigere und heftige Hitzewellen sowie zunehmende Dürren sind Folgen des Klimawandels. Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, weshalb längere Trockenphasen zunehmen. Auch das BfG geht davon aus, dass der Klimawandel langfristig dazu führt, dass Niedrigwasserereignisse intensiver werden, weil mehr Wasser verdunstet.
Wie können wir uns an die zunehmenden Extreme anpassen?
Der Ökologe Weitere erklärt: "Die große Frage ist: Wie strecken wir die Wasserverfügbarkeit über das Jahr? Können wir das Wasser, was zu bestimmten Zeiten zur Genüge da ist, in der Landschaft halten?" Es gehe dabei unter anderem um die Ertüchtigung von Feuchtgebieten, von Mooren und Auen. Auch in den Städten lägen vielversprechende "Schwamm-Konzepte" vor, wie Regenwasser gehalten wird und nicht, wie bisher meist, unmittelbar über versiegelte Flächen abfließt.
Helms führt an, dass es im vergangenen Jahrzehnt neben mehrfachen Dürreperioden auch extreme Hochwasser gegeben habe. Mit Blick auf Anpassung meint er: "Wir müssen flexibel sein und mit verschiedenen Situationen umgehen können."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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