
Dieser Nachmittag passte perfekt zum VfL Wolfsburg, seiner völlig verkorksten Saison und auch seinem mausgrauen Image. Der erste Abstieg in der Bundesliga-Historie des Volkswagen-Clubs ist wieder ein großes Stück näher gerückt. Und dennoch redeten viele nach dem bitteren 0:1 (0:0) gegen Werder Bremen über etwas ganz anderes.
Schon vor dem Spiel attackierten Bremer Fans am Gästeeingang Wolfsburger Ordner. Daraufhin griff die Polizei ein. Die Bilanz dieser Auseinandersetzungen sind nach Polizeiangaben zehn vorläufige Festnahmen, drei verletzte Ordner und drei leicht verletzte Beamte. Die Fanhilfe Bremen schreibt in ihrer Stellungnahme von "massiven Übergriffen durch die Polizei".
Schon 2022 waren Bremer Fans von der Wolfsburger Polizei in einem Ausmaß kontrolliert worden, das ein Gericht später als teilweise rechtswidrig einstufte. Wenn sich also jemand besonders über einen Abstieg des VfL Wolfsburg freuen dürfte, dann sind das wohl mittlerweile viele Anhänger des SV Werder. Und genau dieses Szenario ist durch das glückliche Siegtor von Justin Njinmah in der 68. Minute deutlich wahrscheinlicher geworden.
Trainerwechsel ohne Wirkung
"Bis es nicht mehr möglich ist: Bis dahin werden wir weitermachen", sagte Wolfsburgs Sportdirektor Pirmin Schwegler über die schwindende Hoffnung im Abstiegskampf. Seit zehn Spielen ist der Tabellenvorletzte mittlerweile sieglos. Sieben bleiben nach der Länderspielpause nur noch, um diesen Trend zu stoppen. "Es werden weniger Spiele, weniger Chancen. Aber es ist noch nicht alles verloren", so Schwegler.
Der Eindruck nach diesem Kellerduell ist jedoch: Es scheint keinen großen Unterschied mehr zu machen, wer in Wolfsburg gerade Trainer ist. Das Fehlen eines sportlichen Konzepts und die Fehler bei der Zusammenstellung des Kaders wiegen zu schwer, um sie noch auffangen zu können.
Das 2:3 gegen Hoffenheim mit Paul Simonis, das 1:2 gegen den HSV mit Daniel Bauer und jetzt das 0:1 gegen Werder mit Dieter Hecking: Jedes vermeintliche Endspiel, das den Verlauf dieser Saison in eine andere Richtung hätte lenken können, wurde bislang verloren. "Wir brauchen das Erfolgserlebnis. Da brauchen wir nicht drumherum zu reden", sagte Hecking.
Dass dem VfL viel mehr fehlt als nur Spielglück, räumte Schwegler zumindest ehrlich ein. Nach Transferausgaben von mehr als 80 Millionen Euro in den beiden vergangenen Sommern investierte der Club in diesem Januar noch einmal fast 20 Millionen in den Stürmer Kento Shiogai und den Abwehrspieler Jonas Adjetey. Gegen Werder kam der eine nur 16 Minuten zum Einsatz und der andere gar nicht. "Wir haben es versucht, glaubt es mir", sagte Schwegler auf die Frage, ob man das viele Geld nicht sinnvoller hätte ausgeben können.
Werder-Trainer drückt Wolfsburg die Daumen
In der sportlichen Leitung ist das Chaos noch größer. Der Geschäftsführer (Marcel Schäfer), den nun viele zurückwollen, musste erst 2024 gehen. Sein Nachfolger (Peter Christiansen) wurde nach weniger als zwei Jahren auch schon wieder freigestellt. In dieser kurzen Zeit führte der Däne Einstellungsgespräche mit vier verschiedenen Trainern - Hecking noch mit eingerechnet. Und jeder von ihnen hat eine andere Spielidee.
Das alles hat die Wolfsburger dorthin geführt, wo sie jetzt stehen. Und den feurigsten Appell zur sportlichen Rettung des VfL hielt am Samstag ausgerechnet der Trainer des Gegners. "Der Norden braucht die Bundesliga. Und der Norden braucht auch den VfL Wolfsburg wie auch den SV Werder Bremen", sagte Daniel Thioune. "Die Daumen sind fleißig gedrückt!"
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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